Es hat mich auch 3, 4 Wochen gebraucht, um endlich als helfende Kraft richtig mitarbeiten zu können. Ständig klingelt das Telefon, ständig wollen Patienten etwas von einem wissen, beschweren sich, dass es so lange dauer, die Ärzte melden sich regelmäßig und wollen die Patienten Termine vergeben, auf Station verlegt haben etc. Ist schon sehr schwierig, alle Abläufe im Kopf zu haben, zu Koordinieren, die Ärzten zu helfen und die Patienten zu versorgen.
Ich muss jedoch sagen, dass mir das Assistieren des Arztes sehr viel Spass macht und auch sehr interessant ist. Bei Ärztinnen müssen wir nur sehr selten rein, wenn komplexere Untersuchungen mit Anreichen von Instrumenten oder Material erforderlich sind. Nur bei männlichen Ärzten ist es vorgeschrieben, dass eine weibliche Arzthelferin/Krankenschwester mit anwesend ist (so als Zeuge halt), so dass ich dadurch regelmäßig zuschauen und assistieren kann.
Leider hat die Poliklinik den Nachteil, dass man eher negative Ereignisse miterleben muss. Oft werden Tumor diagnostiziert oder man muss dabei sein, wenn einer Frau erklärt wird, dass sie ihr Kind verloren hat. Man steht dann meist hilflos daneben, weil es nichts gibt, wie man die Frau beruhigen kann. Meist wäre dies auch sehr unangebracht. So steht man täglich daneben und hört wie regelmäßig einer Frau das "Messer ins Herz gerammt" bekommt. Jedoch bin ich auch immer sehr erstaunt wie distanziert die mitgekommenen Männer daruf reagieren. Ehrlich, ich würde mir von meinem Partner weit mehr wünschen, als nur Händchen zu halten und mir beruhigende Worte zu zusprechen. Ich habe bis jetzt noch keinen gesehen, der seine Partnerin erst einmal in den Arm genommen hat und sie sich bei ihm richtig ausweinen konnte. Da sind selbst die Ärzte sensibler. ^^
Auf der anderen Seite erlebe ich auch sehr viele Frauen, die zu uns kommen, um ihr Kind abtreiben zu lassen. Viele davon Mädchen oder junge Frauen, die scheinbar sich nicht wirklich im Klaren sind, was sie da eigentlich tun. Das es besser wäre, mal richtig zu verhüten oder die Konsequenzen von ihrem (meist selbst verschuldeten) Handeln zu tragen. Denn wenn man sich in einer solchen Position wie ich befindet, hinterfragt man schon eher, warum auf der einen Seite Paaren ihr Kind verloren geht, andere es nicht wollen und wieder andere verzweifelt daran arbeiten ein Kind zu bekommen und sich in der Kinderwunschsprechstunde künstlich befruchten zu lassen.
Ich weiß, dass die Diskussion um die Abtreibung sehr schwer ist und sicher jeder ein Argument wüsste, wann er es als gerechtfertigt sieht ein Kind abzutreiben. Aber sicherlich gehört es nicht dazu, dass man zu jung ist (schließlich war man auch nicht zu jung um Sex zu haben) oder dass die eigene Lebensplanung dies noch nicht beinhalte.
Ein anderes Thema zum (für mich) aufregen ist, wie leichtfertig manche Frauen in die Poliklinik mit angeblichen Notfällen kommen. Manche Frauen haben seit 2 Wochen Menstruation. Ungewöhnlich, ja. Aber anstatt zu ihrem Gynäkologen zu gehen, kommen sie ca. um 12 Uhr zu uns und wollen behandelt werden. Da frag ich mich doch echt, wo da bei manchen das Gehirn sitzt. Die Patientinnen warten eine volle Woche ab, bis sie dann endlich mal nachdenken, dass dies vielleicht etwas lang sein könnte. Und das erste was ihnen einfällt ist notfallmäßig in die Poliklinik zu kommen. Da wird erst gar nicht darüber nachgedacht, dass dafür auch sehr gut der Gynäkologe da ist. Einige meinen dann, dass ihr Gynäkologe im Urlaub ist oder geschlossen habe. Aber erstens gibt es immer einen Vertretungsarzt und zweitens haben sie nun schon über eine Woche gewartet um sich darüber im Klaren zu sein, dass etwas nicht stimmt. Da kann man nicht noch einen Tag warten, um dann zum Gynäkologen zu gehen und sich ihm vorzustellen. Naja...kein Kommentar. ^^
Etwas tolles hat die Poliklinik aber auch an sich. Ich darf endlich Blut abnehmen. Und man glaubt es nicht: Bis jetzt haben alle überlebt, die ich angezapt habe.
muahaha 
Und bis jetzt habe ich auch immer sofort getroffen. Schade nur, dass sich mein Freund nicht für ein paar Übungen breitschlagen lässt.
Dazu kann ich endlich mehr mit den Programmen arbeiten um Patienten aufzunehmen und deren Laborbefunde aus dem System zu ziehen. Etwas, was auf Station bis jetzt noch nicht so intensiv statt gefunden hat und was wohl auch ein Tropfen auf dem heißen Stein sein wird, da ja bald wieder neue Programme kommen sollen.
shrug
Nun gut, außer dem kann ich nur davon berichten, dass es super heiß in den Räumen ist, obwohl oder erst recht weil wir im Keller sitzen. Der Tageslichtmangel, der nur durch ein großes Fenster ausgeglichen wird, wo jedoch erst zum Abend Sonnenstrahlen einfallen, wird bei mir dann durch den Geländegang ausgeglichen, wo ich echt froh bin wenigstens ein paar Minuten frische Luft schnappen zu können.
Daher wünsche ich euch schöne sonnige Tage und genießt die Zeit im Freien.
Bis dahin, bleibt mir gesund.
Saturday, May 5. 2007 at 22:56 (Reply)
Hab ne Nadelphobie und die Kanüle fühlt sich auch immer Hundertmal dicker an, als sie wirklich ist. Und dann noch das Gestocher im Arm, weil die Venen kaum sichbar sind. Brrr. Mir reichts!
P.S.: Was findest Du eigentlich so toll am Blutziehen?