Armut macht immer mehr Deutsche krank. Wer arbeitslos ist, braucht mehr Medikamente, erkrankt schneller psychisch oder stirbt früher. Wissenschaftler und Sozialverbände schlagen Alarm und üben harsche Kritik am Gesundheitssystem in der Bundesrepublik.
schreibt die
Financial Times.
Wer in Deutschland arm ist, hat ein doppelt so hohes Risiko, krank zu werden, wie Menschen mit höherem Einkommen – und eine um bis zu zehn Jahre geringere Lebenserwartung
notiert
der Tagesspiegel, und weist auch gleich darauf hin, dass nicht nur jeder 5. Einwohner Berlins, sondern auch jedes 5. Kind in Deutschland in Armut lebt. Da stößt dann das kürzliche Urteil des Bundessozialgerichtes, das die Hartz IV-Sätze als verfassungsgemäß verabschiedete, doppelt sauer auf, denn
Gerade Kinder und Jugendliche würden am schlimmsten unter Armut leiden, da z.B. für Schulbedarf überhaupt kein Betrag im Eckregelsatz vorhanden sein. Zudem bekämen diese nur 60 bzw. 80 Prozent der Leistungen. -- Quelle: Erwerbslosenforum.de
Die Armut ist hausgemacht, und man kann sich ausrechnen, welche Folgen das im Verein mit der Gesundheitspolitik und bevorstehenden sogenannten Reform des Gesundheitswesens der Bundesrepublik Deutschland haben wird.
Mehr Vorsorge für Arme etwa fordert die
taz ein - aber wir wissen alle, wie es um die Leistungsbereitschaft von Staat und Kassen steht, noch dazu wenn Vorsorge auf dem Plan stehen müsstem, statt dann zu handeln wenn das Kind bereits ertrunken ist (von in den Brunnen fallen kann in den meisten Fällen keine Rede mehr sein).
Stattdessen ist künftig mehr "Eigenverantwortung" und "Selbstbeteiligung" gefragt, Dinge die gerade Menschen in Armut nicht mehr leisten können. Und diejenigen, die am stärksten betroffen sind, sind Kinder und Jugendliche, ältere Menschen und Behinderte - und all die, die gar nicht auf den Rechnungen der Sozialpolitiker auftauchen da sie schon lange aus der Krankenversicherung herausgefallen sind. (
Auch die werden in den nächsten Jahren mehr werden).
Noch immer sind Kranke, Arme, Arbeitslose stigmatisiert, zu faulem Gesocks und
Sozialschmarotzern degradiert, oder werden gar nicht erst wahrgenommen. Man wünscht sich, die Politiker müssten mal ein paar Monate mit Hartz IV und gesetzlicher Krankenversicherung leben, ehe sie ihre Entscheidungen über das Volk treffen, mit dessen Stimme sie angeblich sprechen, und von dem Schaden abzuwenden sie irgendwo gelobt haben.
Noch ein paar Fakten:
Wegen der geplanten Anhebung des Rentenalters von 65 auf 67 Jahre hat der Sozialverband Deutschland (SoVD) vor steigender Armut gewarnt,
Jeder zehnte Bundesbürger ist behindert. 71 Prozent der behinderten Menschen sind älter als 55 Jahre. Unter den Nichtbehinderten betrug der Anteil dieser Altersgruppe 27 Prozent. Deutliche Unterschiede gibt es bei den Lebensumständen von behinderten und nicht behinderten Menschen. Behinderte sind häufiger ledig, haben niedrigere Schulabschlüsse und sind häufiger arbeitslos. Größere Schwierigkeiten haben behinderte Menschen auch auf dem Arbeitsmarkt. - Quelle: taz
Mit dem Themenkomplex Armut und Gesundheit befaßt sich
Armut und Gesundheit in Deutschland e.V.
Es wird Zeit dass sich auch mal die Politiker damit auseinandersetzen, und zwar nicht nur indem sie den Armen den Krieg erklären. Aber genau das scheint momentan die Lösung für alles zu sein: den Steuer- und Beitragszahler so lange zu schröpfen, bis er nicht mehr kann, und ihn dann dafür noch abzustrafen.
Reform? Eine Reform, lerne ich beim
Portal für den deutschen Wortschatz, bedeutet
Innovation, Neuerung, Neugestaltung, Neuordnung, Neuregelung, Reorganisation, Umgestaltung, Umstellung, Umwandlung, Verbesserung, Veränderung, Wandel
.
Das mit der Verbesserung wage ich zu bezweifeln...