Traumjob: OP-Schwester
Es ist nun wieder eine Weile her, dass ich hier geschrieben habe. Woran das liegt? Ehrlich...ich kann mich überhaupt nicht aufraffen. Nicht nur dass die Dienste anstrengend sind, sondern auch noch der Feierabend und die Schulwochen.
Aber erst einmal zurück zum Anfang. Wie bereits erwähnt stand mein Einsatz im OP an. Wir durften uns bereits vor einigen Monaten aussuchen, in welchen OP wir gerne wollten. Es wurde uns empfohlen einen OP aus dem Bereich auszusuchen, in dem wir bereits gearbeitet haben. Da ich jedoch nicht viel für den orthopädischen OP übrig hatte, auf der Gynäkologie noch nicht war und ich nicht wirklich täglich Kinder auf dem OP-Tisch sehen wollte, hatte ich mich für die Plastische Chirurgie und den Augen-OP entschieden.
Aber erst einmal zurück zum Anfang. Wie bereits erwähnt stand mein Einsatz im OP an. Wir durften uns bereits vor einigen Monaten aussuchen, in welchen OP wir gerne wollten. Es wurde uns empfohlen einen OP aus dem Bereich auszusuchen, in dem wir bereits gearbeitet haben. Da ich jedoch nicht viel für den orthopädischen OP übrig hatte, auf der Gynäkologie noch nicht war und ich nicht wirklich täglich Kinder auf dem OP-Tisch sehen wollte, hatte ich mich für die Plastische Chirurgie und den Augen-OP entschieden.
Zu meinem Glück durfte ich auf die Plastische Chirurgie nach meinem Urlaub gehen. Nach einigem hin und her, wo denn nun der OP sei, stand ich dann endlich im OP. Zwar hatten wir bereits im Unterricht eine Einführung, wie man sich im OP verhält, jedoch blieb nicht viel davon übrig. Das einzige, an dem ich mich erinnern konnte war, wie ich die OP-Kittels zu schließen hatte und dass es einem Teil im OP gibt, den ich unter keinen Umständen anfassen sollte.
Dazu kommt noch, dass man mit einer Menge von Personal im OP zu tun hat, die man höchstens an der Größe, Statur, der Augenpartie und der Stimme erkennen konnte. Dadurch kommt es oft zu Verwechslungen und Annahmen, dass man jemanden noch nicht gegrüßt hätte, obwohl man dies bereits getan hat.
Meine Arbeitszeiten waren sehr angenehm: von 7:30 Uhr bis 15 Uhr Montags bis Freitags. Klar ist, dass Operationen nicht nur in der Zeit statt finden. Geplante OPs werden in dieser Zeit begonnen und um den Azubis so viel wie möglichst zu tun und zu lernen geben wollen, wurden diese "Frühschicht" für sie ausgewählt.
Es gibt auch Spätschichten, die dann die "Frühschichten" aus OPs auslösen, wenn eine OP einmal länger dauern sollte und dann bis Abends zur Verfügung stehen, wenn Akutfälle im OP aufschlagen. Dazu gibt es noch den Bereitschafts- und Rufdienst. Alles im allen also sehr nahe am Arztjob. Weiterhin muss man viel von Anatomie und Operationstechniken verstehen.
Nachdem ich zwei Wochen im OP verbracht habe, stand bereits meine weitere Laufbahn fest: Ich möchte nach meiner Ausbildung gern in den OP als OP-Schwester arbeiten. Am liebsten wäre es mir, wenn ich sogar in den Plastischen OP könnte. Denn die Arbeit ist eine Forderung und eine Herausforderung zu gleich. Wenn wir Verbrennungsopfer versorgen mussten, galt es die Temperatur im OP auf ca. 36 bis 37 Grad zu stellen. Und wenn man Instrumenteur ist, hat man zusätzlich zu seiner OP-Kleidung noch einen nicht minder wärmenden OP-Kittel, sowie Haube (bei langen Haaren wie bei mir sogar zwei Hauben übereinander) und Handschuhe an. Da steht man schnell im eigenen Saft und ist froh, wenn die OP nicht zu lange dauert und man endlich raus kann um etwas zu trinken.
Dazu gilt es immer darauf zu achten, dass ein ansprechendes Resultat nach der OP zu sehen ist. Schließlich ist dies ja eine der Hauptaufgaben der Plastischen Chirurgie. Um noch ein kleines Vorurteil aufzuräumen: Es fanden keine "Schönheits-Operationen" statt im Sinne von Brustvergrößerungen, Nasenkorrekturen oder Fettabsaugungen. Obwohl dies in den Händen dieser fähigen Ärzte wohl viel besser wäre, als in denen der sogenannten Schönheitschirurgen.
Aber ein anderes Vorurteil kann ich nur bestätigen: Anästhesisten haben echt einen komischen Humor.
Allgemein kann man sagen, dass man sich nur mal OP-Szenen aus ER anschauen muss, um zu wissen, wie es auch in deutschen OPs zugeht: es wird Musik gehört, Witze erzählt, über Privates gesprochen und ab und zu mal Süßigkeiten an die Beteiligten verteilt. (Wobei ich sagen muss, dass es echt schwer ist einem sterilen Operateur einen Bonbon in den Mund zu transferieren.
)
Ansonsten kann ich euch nur eine kleine Anekdote von dem Einsatz geben, da eher viele Schicksale darunter waren.
Ein älterer Patient hatte aufgrund von Diabetes und periphere Durchblutungsstörungen bereits den rechten Zeige-, Mittel- und Ringfinger sowie den größten Teil des kleinen Fingers verloren und stand nun auf dem OP, da sich am Stumpf nekrotisches (abgestorbenes) Gewebe befand.
Nachdem das abgestorbene Gewebe von dem Stumpf des kleinen Fingers entfernt worden ist, stellten die Ärzte fest dass der Handteller ebenfalls schon weich und zersetzt war. Also wurde der Teil raus geschnitten und in den Mülleimer geworfen. Danach wollten die Ärzte den Daumen wieder annähen merkten aber, das dies sehr schwierig werden könnte. Dazu stellte sich heraus, dass der Daumen ebenfalls nicht mehr durchblutet wurde und damit aus am absterben war.
Da jetzt die Operation erweitert wurde und damit der vereinbarte Teil mit dem Patienten überschritten wurde, musste nachgeschaut werden, ob der Patient bezüglich der Erweiterung der Operation aufgeklärt wurde. Nach einigem hektischen Suchen und identifizieren von unleserlichen Ärztehandschriften war die Aufklärung gefunden. Also wieder raus mit dem entfernten Handteller aus dem Mülleimer und ab in ein Pathologietöpfchen. Leider gab es nicht wirklich viele Pathotöpfe, die groß genug dafür waren. Aber schnell war einer gefunden und der Handteller verpackt. Nun stand noch offen, was mit dem Daumen zu machen sein und wie viel abgenommen werden sollten.
Nach einer weiteren halben Stunde war auch der Daumen ab und nun erneut die Suche nach einem Pathotopf. Leider gab es nur noch einen etwas knappen Behälter, wo der Daumen auch nur mit quetschen und drücken hineinpasste. Da aber keine anderen Alternativen zur Verfügung standen blieb also nichts anderes übrig. Rein mit dem Daumen und ich damit zum Formalintank. Ich hatte es geschafft so viel Formalin einzugeben, das es bis zur Kante des Behälters reichte. Nur schaute noch die Daumenspitze raus. Ich also den Deckel genommen und vorsichtig zugeschraubt in der Hoffnung, dass das ganze Formalin jetzt nicht an den Seiten rausquillen würde und dass das Gefäß nicht wieder aufpoppen würde, weil sich der Daumen dagegen sperren würde.
Zum Glück blieb das Gefäß zu. Nur musste ich eine Warnung an die Pathologen und Transporteure rausgeben, dass es vorsichtig gehandhabt werden musste. Denn bei zu viel Druck von den Seiten oder von Oben floss ein wenig Formalin raus, was bei anderen Menschen durchaus mal Ekel hervorrufen kann.
Später erzähle ich noch von meinem dreiwöchigen Ausflug auf die Kinderchirurgie. Bis dahin....
Bleibt mir Gesund!
Dazu kommt noch, dass man mit einer Menge von Personal im OP zu tun hat, die man höchstens an der Größe, Statur, der Augenpartie und der Stimme erkennen konnte. Dadurch kommt es oft zu Verwechslungen und Annahmen, dass man jemanden noch nicht gegrüßt hätte, obwohl man dies bereits getan hat.
Meine Arbeitszeiten waren sehr angenehm: von 7:30 Uhr bis 15 Uhr Montags bis Freitags. Klar ist, dass Operationen nicht nur in der Zeit statt finden. Geplante OPs werden in dieser Zeit begonnen und um den Azubis so viel wie möglichst zu tun und zu lernen geben wollen, wurden diese "Frühschicht" für sie ausgewählt.
Es gibt auch Spätschichten, die dann die "Frühschichten" aus OPs auslösen, wenn eine OP einmal länger dauern sollte und dann bis Abends zur Verfügung stehen, wenn Akutfälle im OP aufschlagen. Dazu gibt es noch den Bereitschafts- und Rufdienst. Alles im allen also sehr nahe am Arztjob. Weiterhin muss man viel von Anatomie und Operationstechniken verstehen.
Nachdem ich zwei Wochen im OP verbracht habe, stand bereits meine weitere Laufbahn fest: Ich möchte nach meiner Ausbildung gern in den OP als OP-Schwester arbeiten. Am liebsten wäre es mir, wenn ich sogar in den Plastischen OP könnte. Denn die Arbeit ist eine Forderung und eine Herausforderung zu gleich. Wenn wir Verbrennungsopfer versorgen mussten, galt es die Temperatur im OP auf ca. 36 bis 37 Grad zu stellen. Und wenn man Instrumenteur ist, hat man zusätzlich zu seiner OP-Kleidung noch einen nicht minder wärmenden OP-Kittel, sowie Haube (bei langen Haaren wie bei mir sogar zwei Hauben übereinander) und Handschuhe an. Da steht man schnell im eigenen Saft und ist froh, wenn die OP nicht zu lange dauert und man endlich raus kann um etwas zu trinken.
Dazu gilt es immer darauf zu achten, dass ein ansprechendes Resultat nach der OP zu sehen ist. Schließlich ist dies ja eine der Hauptaufgaben der Plastischen Chirurgie. Um noch ein kleines Vorurteil aufzuräumen: Es fanden keine "Schönheits-Operationen" statt im Sinne von Brustvergrößerungen, Nasenkorrekturen oder Fettabsaugungen. Obwohl dies in den Händen dieser fähigen Ärzte wohl viel besser wäre, als in denen der sogenannten Schönheitschirurgen.
Aber ein anderes Vorurteil kann ich nur bestätigen: Anästhesisten haben echt einen komischen Humor.
Allgemein kann man sagen, dass man sich nur mal OP-Szenen aus ER anschauen muss, um zu wissen, wie es auch in deutschen OPs zugeht: es wird Musik gehört, Witze erzählt, über Privates gesprochen und ab und zu mal Süßigkeiten an die Beteiligten verteilt. (Wobei ich sagen muss, dass es echt schwer ist einem sterilen Operateur einen Bonbon in den Mund zu transferieren.
Ansonsten kann ich euch nur eine kleine Anekdote von dem Einsatz geben, da eher viele Schicksale darunter waren.
Ein älterer Patient hatte aufgrund von Diabetes und periphere Durchblutungsstörungen bereits den rechten Zeige-, Mittel- und Ringfinger sowie den größten Teil des kleinen Fingers verloren und stand nun auf dem OP, da sich am Stumpf nekrotisches (abgestorbenes) Gewebe befand.
Nachdem das abgestorbene Gewebe von dem Stumpf des kleinen Fingers entfernt worden ist, stellten die Ärzte fest dass der Handteller ebenfalls schon weich und zersetzt war. Also wurde der Teil raus geschnitten und in den Mülleimer geworfen. Danach wollten die Ärzte den Daumen wieder annähen merkten aber, das dies sehr schwierig werden könnte. Dazu stellte sich heraus, dass der Daumen ebenfalls nicht mehr durchblutet wurde und damit aus am absterben war.
Da jetzt die Operation erweitert wurde und damit der vereinbarte Teil mit dem Patienten überschritten wurde, musste nachgeschaut werden, ob der Patient bezüglich der Erweiterung der Operation aufgeklärt wurde. Nach einigem hektischen Suchen und identifizieren von unleserlichen Ärztehandschriften war die Aufklärung gefunden. Also wieder raus mit dem entfernten Handteller aus dem Mülleimer und ab in ein Pathologietöpfchen. Leider gab es nicht wirklich viele Pathotöpfe, die groß genug dafür waren. Aber schnell war einer gefunden und der Handteller verpackt. Nun stand noch offen, was mit dem Daumen zu machen sein und wie viel abgenommen werden sollten.
Nach einer weiteren halben Stunde war auch der Daumen ab und nun erneut die Suche nach einem Pathotopf. Leider gab es nur noch einen etwas knappen Behälter, wo der Daumen auch nur mit quetschen und drücken hineinpasste. Da aber keine anderen Alternativen zur Verfügung standen blieb also nichts anderes übrig. Rein mit dem Daumen und ich damit zum Formalintank. Ich hatte es geschafft so viel Formalin einzugeben, das es bis zur Kante des Behälters reichte. Nur schaute noch die Daumenspitze raus. Ich also den Deckel genommen und vorsichtig zugeschraubt in der Hoffnung, dass das ganze Formalin jetzt nicht an den Seiten rausquillen würde und dass das Gefäß nicht wieder aufpoppen würde, weil sich der Daumen dagegen sperren würde.
Zum Glück blieb das Gefäß zu. Nur musste ich eine Warnung an die Pathologen und Transporteure rausgeben, dass es vorsichtig gehandhabt werden musste. Denn bei zu viel Druck von den Seiten oder von Oben floss ein wenig Formalin raus, was bei anderen Menschen durchaus mal Ekel hervorrufen kann.
Später erzähle ich noch von meinem dreiwöchigen Ausflug auf die Kinderchirurgie. Bis dahin....
Bleibt mir Gesund!
Posted by shanice on Monday, October 23. 2006 at 17:20 in Ausbildung, Schwester, Skalpell bitte!
View as PDF: This entry | This month | Full blog
View as PDF: This entry | This month | Full blog
View as PDF: This entry | This month | Full blog


Tuesday, October 24. 2006 at 17:43 (Reply)
Kommt gleich wieder raus...
Als Schüler/in in der Krankenpflege sollte man sich möglichst vor nichts ekeln oder?
Tuesday, October 24. 2006 at 20:24 (Link) (Reply)
Obwohl ich zugeben muss, dass ich bei der OP schon froh war, vorher nichts gegessen zu haben.