Qualität sichtbar machen steht auf der Startseite für den
BQS-Qualitätsreport 2005, "mehr Informationen, mehr Transparenz" wird da versprochen und
Krankenhausunternehmen stellen ihre Qualität offensiv dar und scheuen sich dabei nicht, auch weniger gute Ergebnisse offen zu legen.
Zumindest theoretisch.
Praktisch haben gerade einmal 30% aller Krankenhäuser an dieser Studie mitgewirkt, und von Qualität und Transparenz kann keine Rede sein.
Einmal im Jahr, Mitte August, veröffentlicht die Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung (BQS) in Düsseldorf ihren "Qualitätsreport". Er basiert auf Behandlungsdaten aller bundesdeutschen Kliniken, ohne diese zu nennen. "Der BQS-Report macht globale Angaben, die mehr Fragen offenlassen als Antworten geben", ärgert sich etwa seit langem der Bremer Gesundheitsforscher Professor Gerd Glaeske über das Projekt. Er fordert einen "Katalog, der zeigt, wo die Behandlung gut und wo sie schlecht ist". Doch dagegen hat sich bislang der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss zur Wehr setzen können. Lieber versucht man, in einem "strukturierten Dialog" diskret mit den betroffenen Häusern zu verhandeln. Ein Leser erfährt also auch diesmal nicht, in welchem Krankenhaus er gut oder schlecht behandelt wird. -- Quelle: WELT
Die Liste der
Mängel ist lang: 1/4 aller Operationen für künstliche Hüftgelenke wären unnötig gewesen; viele Notfallkaiserschnitte finden nicht innerhalb des kritischen Zeitrahmens statt; in Deutschland sterben auffällig viele Patienten an "ambulant erworbenen" Lungenentzündungen; während sich die meisten Kliniken im Rahmen normaler Durchschnittswerte (5%) bei postoperativen Komplikationen bewegen, gibt es Ausreißer mit weit über 40%... aber noch immer erfährt kein Patient, welche Kliniken seine Gesundheit gefährden. Vermutlich "zu seinem eigenen Besten".
Beispiel Brustkrebs:
In der wissenschaftlichen Literatur schwanken die Angaben für die brusterhaltende Therapie (BET) bei Tumorgrößen bis maximal zwei Zentimeter zwischen 60 und 75 Prozent. Mitteilungen aus zertifizierten deutschen Brustzentren haben aber gezeigt, dass BET-Raten von maximal 85 Prozent erreicht werden können. Die BQS-Fachgruppe hat daher einen Referenzbereich von 60 bis 85 Prozent festgelegt. Die BET-Raten in deutschen Krankenhäusern schwankten dem Report zufolge zwischen 50 und 100 Prozent. Sieben Kliniken lagen unter dem Referenzwert von 60, 145 Kliniken über dem Wert von 85 Prozent. Die BQS-Fachgruppe wertet die Ergebnisse als "hoch auffällig": "Auch eine gemeinsame Entscheidung mit der hinreichend informierten Patientin muss angezweifelt werden."
und
Vielfach wurden gar keine präzisen Angaben gemacht.
-- Quelle: wie oben, Hervorhebung durch mich
Wir sprechen so gern über die Patientenseite im Gesundheitswesen, über die entstehenden Kosten. wie praktisch, dass ein Patient, der fehlbehandelt wird, mehr Umsatz macht. Jeder Handwerker muß Pfusch geradebiegen und für die Kosten selbst aufkommen, nur in der Medizin kann man die Kuh nochmal melken. Mit einer klaren Offenlegung von Qualitätskriterien UND deren Einhaltung und einem öffentlichen Anprangern von Krankenhäusern, die offenbar den Mindeststandards nicht genügen, könnte man hier die Spreu vom Weizen trennen. (Und für exzellente Kliniken auch werben und deren Umsätze zu Recht erhöhen).
Wir brauchen eine Medizin die nach bestem Wissen heilt, davon sind wir aber offensichtlich noch weit entfernt. Mit Mauscheleien hinter verschlossener Tür schützt sich das System nur selbst, und wir sind wie immer die Dummen.
Qualität sichtbar machen - ja bitte. Für
alle!