Jeder fünfte Mann und jede zehnte Frau zwischen 20 und 40 Jahren in Deutschland haben ein erhöhtes Risiko für Schwarzen Hautkrebs. Das teilen die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) in Berlin mit. - Quelle: n-tv
Unter dem Titel "
Face the Sun" hat deswegen die Deutsche Krebshilfe gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention eine Initiative gestartet, die vor allem jungen Erwachsenen einen verantwortungsbewußten Umgang mit den bräunenden Sonnenstrahlen nahebringen soll.
Die
Webseite zur Aktion gibt sich betont cool und hip und jugendlich und liefert eine (unnötigerweise mit Flash) modern aufgemachte FAQ, de unter anderem solche Infotexte bietet:
Warum steigt die Zahl der Hautkrebserkrankungen?
Vor allem, weil wir uns viel mehr der UV-Strahlung aussetzen als früher. Wir haben heute nämlich immer mehr Freizeit. Und die verbringen wir gerne in der Sonne. Ob beim Latte Macchiato im Straßencafe oder bei Funsportarten wie Surfen, Kitesegeln, Biken, Snowbording, immer ist die UV-Strahlung der Sonne dabei. Außerdem hält der Reiseboom in südliche Länder oder Skigebiete an und mit ihm der Sonnenkonsum. Kein Wunder also, dass sich in Deutschland die Hautkrebsfälle in den letzten zehn Jahren verdoppelt haben. Tendenz steigend.
Aha, der Latte Macchiato und die Funsportarten also...
Richtig ist, dass
homo sapiens die letzten 2 Millionen Jahre ziemlich viel an der frischen Luft war und sich dabei so hippen Tätigkeiten wie Ackerbau, Viehzucht oder der Funsportart Jagd hingegeben hat. Zumindest in der Theorie ist der Mensch durchaus auf sonne vorbereitet. wer allerdings 90 Proztent des Jahres in einem Büro hockt, fängt sich mit Sicherheit beim Erstkontakt mit ausgerechnet Alpensonne und Schneereflektion einen Hautschaden ein.
Auch dass
homo sapiens dezent an dem Schwinden der schützenden Ozonschicht beteiligt ist - nicht der Rede wert.
Immerhin das Thema
der richtige Sonnenschutz liefert entscheidende Hinweise
Was ist der beste Sonnenschutz? Schatten und Kleidung. Wichtig ist, dass man vorsichtig mit der Sonne umgeht. Also nicht gleich an den ersten Frühlings- oder Urlaubstagen beim Sonnen übertreiben. Besser ist es, die Haut langsam an die UV-Strahlung zu gewöhnen. Und natürlich Sonnenschutzmittel (LSF 20) auftragen. Wichtig: Mittagssonne und Sonnenbrände meiden!
Das unterschreibe ich mit einer Einschränkung...
Sonnenschutzmittel mit physikalischem Lichtschutz, bitte. Nach wie vor ist unklar, welche Reaktionen die bunte Chemiepalette in Sonnenschutzmitteln unter dem UV-Beschuß der Sonne auf und in der Haut auslöst. Schatten und Bekleidung (und eine Kopfbedeckung!) sind für Bleichgesichter die besser Wahl, ebenso die Morgen- und Abendstunden der Sonne.
Alles nichts Neues, sollte man meinen. aber der Blick in ein beliebiges Schwimmbad oder an einen Strand zur Mittagszeit spricht Bände. Hautkrebs ist ein "gesellschaftliches" Problem, das sieht nicht nur das
Ärzteblatt so:
Hautkrebs ist den Angaben zufolge weltweit die häufigste Krebsart. Jeder fünfte Mann und jede zehnte Frau zwischen 20 bis 40 habe allein in Deutschland ein erhöhtes Risiko für den gefährlicheren schwarzen Hautkrebs (Malignes Melanom), sagte ADP-Vize Eckhard Breitbart zum Auftakt der Aktion in Berlin. Dieses Risiko sei so hoch wie in keiner Generation zuvor. Ein erheblicher Anstieg der Neuerkrankungen in den nächsten Jahrzehnten könnte die Folge sein. Dabei sei Hautkrebs, frühzeitig entdeckt, zu 100 Prozent heilbar.
Jährlich erkrankten rund 130.000 bis 140.000 Menschen an hellem oder schwarzem Hautkrebs, darunter etwa 22.000 an der Variante Malignes Melanom. Das Risikopotenzial für ein Malignes Melanom werde bereits früh entwickelt. Deshalb sollten vor allem Kleinkinder vor Sonnenbränden geschützt werden. Hautkrebs sei „ein echtes gesellschaftliches Problem“, das das Gesundheitssystem mit rund 320 Millionen Euro jährlich belaste. Über 520.000 Menschen würden pro Jahr wegen eines Hautkrebses medizinisch behandelt. (...)
Die Kampagne „Face the sun“ wirbt neben Informationen im Internet auch auf Festivals sowie in Fahrschulen, Diskotheken und Bars
Hoffen wir, daß es was nützt. Solange wir sonnengebräunt automatisch mit fit und gesund und schön verbinden, und Urlaub in den Köpfen vieler im wesentlichen bedeutet, an einem Strand tagsüber Sonnenbräune zu tanken und nachts Party zu machen, wird sich nichts ändern.
(Und solange wir keine Anstrengungen unternehmen, mit unserer Erdatmosphäre pfleglicher umzugehen, auch nicht).
Nachtrag
Eine ganz ähnliche Haltung wie ich zum Thema Sonnenschutz vertritt Regina Wilshire, die Autorin des medizinischen Blogs "Weight of The Evidence". Ihren treffenden kurzen Artikel in Englisch -
It's That Time Of The Year - möchte ich zum Weiterlesen empfehlen.