Dauert nur 'ne halbe Stunde
Eine Medblog-Leserin, die gern anonym bleiben möchte, hat uns folgenden Beitrag gesendet:
Ich gehöre zu den glücklichen Menschen die abgesehen bei der Geburt und diversen Besuchen nie in ein Krankenhaus mussten. Und wisst Ihr was? Nach dem, was ich erlebt habe, bin ich darüber verdammt froh, und hoffe inständig, dass ich da niemals rein muss.
Vor nicht allzu langer Zeit machte die Grippe die Runde in unserer Gegend, und wie es der Zufall wollte, wurde ein mir nahestehender Verwandter Opfer eben dieser bösen Grippe. Da dieser Verwandte dem männlichen Geschlecht zuzuordnen ist und damit zu den notorischen Arztverweigerern gehört, war das Erstaunen doch recht groß, als man ihn - nach einer Woche Zur-Arbeit-Schleppen - zu Hause antraf und er im Brustton der Überzeugung röchelte: Ich glaube ich sterbe.
Er starb natürlich nicht, aber sein Hausarzt nutzte wohlgemut die wahrlich seltene Gelegenheit, ihn gleich einmal komplett zu untersuchen. Von Belastungs-EKG bis Röntgen war alles dabei und er wurde sogar als fast gesund erklärt.
Seitdem darf er täglich seinen Zuckerspiegel prüfen und diverse Pillen schlucken, aber darum geht es im Moment nicht. Auslöser der folgenden Misere war ein Röntgenbild. Ein Röntgenbild der Lunge, um genau zu sein. Darauf nun sah man etwas: einige kleinere schwarze Flecken nämlich.
Die lapidare Bemerkung des Hausarztes lautete in etwa sinngemäß: Das is' sicher nur altes Narbengewebe. Am besten lassen wir das und kontrollieren alle halbe Jahre ob sich was verändert.
Doch da unser Patient sich dank der Grippe bereits dem Tode nahe fühlte, konnte er diese Erklärung so natürlich nicht auf sich sitzen lassen, ergo wurde ein Spezialist zu Rate gezogen, der sogleich empfahl eine Gewebeprobe nehmen zu lassen. Schließlich wollte man ja auf Nummer sicher gehen.
Ich gehöre zu den glücklichen Menschen die abgesehen bei der Geburt und diversen Besuchen nie in ein Krankenhaus mussten. Und wisst Ihr was? Nach dem, was ich erlebt habe, bin ich darüber verdammt froh, und hoffe inständig, dass ich da niemals rein muss.
Vor nicht allzu langer Zeit machte die Grippe die Runde in unserer Gegend, und wie es der Zufall wollte, wurde ein mir nahestehender Verwandter Opfer eben dieser bösen Grippe. Da dieser Verwandte dem männlichen Geschlecht zuzuordnen ist und damit zu den notorischen Arztverweigerern gehört, war das Erstaunen doch recht groß, als man ihn - nach einer Woche Zur-Arbeit-Schleppen - zu Hause antraf und er im Brustton der Überzeugung röchelte: Ich glaube ich sterbe.
Er starb natürlich nicht, aber sein Hausarzt nutzte wohlgemut die wahrlich seltene Gelegenheit, ihn gleich einmal komplett zu untersuchen. Von Belastungs-EKG bis Röntgen war alles dabei und er wurde sogar als fast gesund erklärt.
Seitdem darf er täglich seinen Zuckerspiegel prüfen und diverse Pillen schlucken, aber darum geht es im Moment nicht. Auslöser der folgenden Misere war ein Röntgenbild. Ein Röntgenbild der Lunge, um genau zu sein. Darauf nun sah man etwas: einige kleinere schwarze Flecken nämlich.
Die lapidare Bemerkung des Hausarztes lautete in etwa sinngemäß: Das is' sicher nur altes Narbengewebe. Am besten lassen wir das und kontrollieren alle halbe Jahre ob sich was verändert.
Doch da unser Patient sich dank der Grippe bereits dem Tode nahe fühlte, konnte er diese Erklärung so natürlich nicht auf sich sitzen lassen, ergo wurde ein Spezialist zu Rate gezogen, der sogleich empfahl eine Gewebeprobe nehmen zu lassen. Schließlich wollte man ja auf Nummer sicher gehen.
Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich von dem Ganzen eher wenig mitbekommen, abgesehen von leichten hypochondrischen Experten-Attacken. Mein Verwandter wollte anscheinend nicht alleine todkrank sein und zwang sein Umfeld dazu, sich ebenfalls mit einer Nadel pieksen zu lassen, um irgendwelche ominösen Zuckerwerte auswerten zu können...
Und ich hatte bis zu diesem Tag gedacht, es könne nicht schlimmer kommen als damals, als man ihm das Blutdruckmessgerät geschenkt hatte.
Schnell war ein Termin im Krankenhaus ausgemacht (ein Rosenmontag - welcher halbwegs vernünftige Mensch geht an einem Rosenmontag freiwillig in ein Krankenhaus?) und man hatte mich als Chauffeur auserkoren. Wie man sich vorstellen kann, war ich hellauf begeistert an meinem freien Arbeitstag duch die Gegend zu fahren und stundenlang in irgendwelchen Wartezimmern zu hocken. Aber ich fügte mich in mein Schicksal und stand an diesem Montag, für meine Verhältnisse, recht früh auf. Die Fahrt gestaltete sich unspektakulär und es gab sogar einen Parkplatz vor der Klinik. Das hob meine Laune beträchtlich und ich tappste also mit in das warme Krankenhaus.
Dort machte man sich auf die Suche nach dem Arzt und ich wurde das erstemal allein gelassen. Dauert nur 'ne halbe Stunde - ist nur ein Vorgespräch. Nun, ich hatte einen Kaffeeautomaten in der Nähe und war somit zufrieden.
Nach der angekündigten halben Stunde trabte der Patient gutgelaunt an und erklärte mir ausführlich die ganze Prozedur mitsamt irgendwelcher Fachbegriffe die er wohl selbst nicht kannte. Unerklärlicherweise bekam ich nach diesen Erzählungen prompt einen rauhen Hals und musste einen Kaffee trinken. Mit diesem wurde ich dann in eine riesiges leeres Wartezimmer verfrachtet, mit den Worten: Das dauert nur 2 Stunden du wartest doch so lange oder?
Wer also nichtsahnend in dem Wartezimmer saß und Unmengen an Pneumologiezeitschriften las (natürlich hatte ich vergessen ein richtiges Buch mitzunehmen) war ich.
Als die Zeitschriften dann zur Neige gingen und ich mich standhaft wehrte, die verbliebenen religiösen Blättchen zu lesen, wurde ich doch langsam etwas ungehalten. Die 2 Stunden waren längst vorbei und vom Patienten war rein gar nichts zu sehen. -- Kaum war der Gedanke zu Ende gedacht, trat besagter Patient freudestrahlend herein, faselte noch etwas von wegen abschließendem Röntgen und Gespräch mit dem Arzt. Inzwischen war es Mittag und mein Magen rebellierte eindeutig gegen weitere Flüssignahrung - er wollte was Handfestes.
Weitere 30 Minuten später... mein Verwandter kam wieder und ich freute mich schon, nahm ich doch an wir könnten nun endlich gehen. Aber ich hatte mich zu früh gefreut. Er erläuterte mir, er müsse in der Klinik bleiben "weil was schief gegangen" sei, und ich solle doch nach Hause fahren, um ihm die nötige Kleidung zu besorgen. Das hielt ich zunächst für einen schlechten Scherz, bis er mir glaubhaft versicherte, dass es keiner war.
Was war geschehen?
Mein Verwandter, dessen Grippe noch nicht ganz ausgeheilt war, hatte während der Narkose (?) und dem Nehmen der Gewebeprobe wohl etwas zu stark und zu oft gehustet. Dadurch sei dummerweise Luft in den Brustraum gelangt, wo sie eigentlich nichts zu suchen hat. Diese Luft würde nun der Lunge den Platz wegnehmen, was zum Lungenkollaps führen könne. Deshalb müsse er bleiben, damit man ihm diese Luft wieder rauspumpen könne.
Inzwischen war mir allein schon von der Erzählung schlecht. und gedanklich malte ich mir bereits die schlimmsten Konsequenzen aus. Während er sich also zur Anmeldung begab, raste ich mit dem Auto nach Hause und hatte dort die wenig erfreuliche Aufgabe, seiner Frau all dies zu erklären.
Nach dem Managen der wichtigsten Dinge (den Chef sowie den Nachwuchs informieren, Koffer packen etc.), bin ich dann mit seiner Ehefrau und dem Koffer wieder zurück zum Krankenhaus gedüst. Dort musste dann erst einmal der Patient gefunden werden, was nach einigen Irrläufen auch gelang.
Mein Verwandter lag wie der lebendige Tod in seinem Bett, ein Schlauch ragte aus seiner Schulter, und ein Behälter mit Wasser darin stand neben dem Bett. Nachdem er seiner Frau nun auch noch einmal alles erläutert hatte, kam irgendwann der Arzt und teilte dem Patienten mit, dass der Schlauch in der Schulter nicht tief genug saß. Man würde ihn entfernen und einen neuen legen müssen.
Ich schwöre, dass ich noch nie einen Menschen so schnell so bleich werden sah. Scheinbar musste das mit enormen Schmerzen verbunden sein - die laut Arzt völlig untypisch waren.
Wir warteten.
Inzwischen war ich von der Warterei dermassen entnervt, dass ich mir die Bibel schnappte und die Offenbarung des Johannes aufschlug.
Stunden später... als unser Patient totenbleich und halb bewußtlos wieder mit dem Rollstuhl angerollt wurde, war es gegen 18 Uhr. Der Arzt pumpte ihn dann auch gleich noch mit jeder Menge Morphium und anderen Schmerzmitteln voll.
Selbst dem Mediziner sah man an, dass er leicht erschrocken war. Laut seinen Angaben gebe es da "nie Schwierigkeiten", geschweige denn, dass jemand über derartige Schmerzen geklagt hätte.
Man kann sicherlich verstehen, dass ich unseren tapferen Patienten unter diesen Umständen nur ungern alleine ließ, aber irgendwann mussten wir auch endlich mal wieder nach Hause.
Damit war mein Urlaub, den ich geplant hatte, dahin, denn was nun auf dem Programm stand war tägliches zum Krankenhaus fahren und den Patienten besuchen. Glücklicherweise ging es ihm am nächsten Tag schon sehr viel besser. Gut genug zumindest, um spazieren zu gehen und per Handy Aufträge zu erteilen, was denn alles mitzubringen sei.
Er erholte sich prächtig und überraschte uns mit der Mitteilung, dass er Donnerstag wieder nach Hause dürfe. Der Donnerstag kam - aber kein Lebenszeichen des Patienten. Irgendwann gegen Nachmittag kam dann der erlösende Anruf, das er gepackt hätte und abholbereit war.
Erneut fuhr ich mit dem Auto los. Parkplatz gefunden - ins Zimmer gelatscht - und da stand er. Fix und fertig, Tasche gepackt und ich dachte, super das klappt ja perfekt. Ich schnappte mir die Tasche, als die Worte an mein Ohr drangen: "Ja ich muss aber noch warten, ich muss nochmal zum Röntgen."
Ich schluckte, die Erinnerung an das letzte Mal als er sowas sagte war noch zu frisch, und stellte mich innerlich auf eine längere Wartezeit ein. Zunächst beschloß ich mutig zu sein und die Tasche ins Auto zu tun, dann konnte ich mir auch gleich das Parkticket kaufen, es würde ja wohl wieder mal länger dauern...
Als ich zurück kam, hatte ich auch gleich Onkel Doktor im Schlepptau, der verkündete dass jetzt Zeit wäre zum Röntgen. "Dauert nicht lange, 15 Minuten" hieß es. Ich nickte. Immerhin saß ich diesmal an einem Tisch auf dem eine aktuelle Zeitung lag. Nachdem ich, für mich völlig untypisch, sogar den Politteil durch hatte und der Patient noch immer nicht zurück war, wurde ich langsam unruhig.
Aber es gab ja noch mehr Zeitschriften.
Irgendwann, ich habe nicht auf die Uhr geschaut, tauchte mein Verwandter endlich auf - und verkündete, er müsse das Bild noch beim Arzt abgeben. Ich hab das nicht ganz mitbekommen sondern war viel zu vertieft in meine Lektüre -ich hatte aus dem Stapel tatsächlich noch ein Clever&Smart Heftchen gezogen.
Um so erstaunter war ich dann, als der Patient plötzlich unruhig neben mir stand und fragte, ob wir jetzt endlich gehen könnten. Kurz war ich versucht das Heft mitzunehmen, ich hasse es etwas unbeendet zu lassen, aber mein Gerechtigkeitssinn siegte dann doch.
Die Heimfahrt verlängerte sich 3 Kilometer vor der heimischen Autobahnausfahrt um einen Stau...
Aus diesem Erlebnis habe ich meine Lehren gezogen:
Und das Beste zum Schluß: Die Gewebeprobe wurde analysiert und das Ergebnis liegt ebenfalls vor.
Es ist "nur" altes Narbengewebe einer schlecht ausgeheilten Lungenentzündung. Also genau das, was der Hausarzt vermutet hatte...
Das ist natürlich eine gute Nachricht, wenn da nicht der bittere Nachgeschmack wäre, dass mein Verwandter wegen der Untersuchung dieser harmlosen Angelegenheit unnötige Qualen erlitten hat und fast dem Tode nah war.
Und ich hatte bis zu diesem Tag gedacht, es könne nicht schlimmer kommen als damals, als man ihm das Blutdruckmessgerät geschenkt hatte.
Schnell war ein Termin im Krankenhaus ausgemacht (ein Rosenmontag - welcher halbwegs vernünftige Mensch geht an einem Rosenmontag freiwillig in ein Krankenhaus?) und man hatte mich als Chauffeur auserkoren. Wie man sich vorstellen kann, war ich hellauf begeistert an meinem freien Arbeitstag duch die Gegend zu fahren und stundenlang in irgendwelchen Wartezimmern zu hocken. Aber ich fügte mich in mein Schicksal und stand an diesem Montag, für meine Verhältnisse, recht früh auf. Die Fahrt gestaltete sich unspektakulär und es gab sogar einen Parkplatz vor der Klinik. Das hob meine Laune beträchtlich und ich tappste also mit in das warme Krankenhaus.
Dort machte man sich auf die Suche nach dem Arzt und ich wurde das erstemal allein gelassen. Dauert nur 'ne halbe Stunde - ist nur ein Vorgespräch. Nun, ich hatte einen Kaffeeautomaten in der Nähe und war somit zufrieden.
Nach der angekündigten halben Stunde trabte der Patient gutgelaunt an und erklärte mir ausführlich die ganze Prozedur mitsamt irgendwelcher Fachbegriffe die er wohl selbst nicht kannte. Unerklärlicherweise bekam ich nach diesen Erzählungen prompt einen rauhen Hals und musste einen Kaffee trinken. Mit diesem wurde ich dann in eine riesiges leeres Wartezimmer verfrachtet, mit den Worten: Das dauert nur 2 Stunden du wartest doch so lange oder?
Wer also nichtsahnend in dem Wartezimmer saß und Unmengen an Pneumologiezeitschriften las (natürlich hatte ich vergessen ein richtiges Buch mitzunehmen) war ich.
Als die Zeitschriften dann zur Neige gingen und ich mich standhaft wehrte, die verbliebenen religiösen Blättchen zu lesen, wurde ich doch langsam etwas ungehalten. Die 2 Stunden waren längst vorbei und vom Patienten war rein gar nichts zu sehen. -- Kaum war der Gedanke zu Ende gedacht, trat besagter Patient freudestrahlend herein, faselte noch etwas von wegen abschließendem Röntgen und Gespräch mit dem Arzt. Inzwischen war es Mittag und mein Magen rebellierte eindeutig gegen weitere Flüssignahrung - er wollte was Handfestes.
Weitere 30 Minuten später... mein Verwandter kam wieder und ich freute mich schon, nahm ich doch an wir könnten nun endlich gehen. Aber ich hatte mich zu früh gefreut. Er erläuterte mir, er müsse in der Klinik bleiben "weil was schief gegangen" sei, und ich solle doch nach Hause fahren, um ihm die nötige Kleidung zu besorgen. Das hielt ich zunächst für einen schlechten Scherz, bis er mir glaubhaft versicherte, dass es keiner war.
Was war geschehen?
Mein Verwandter, dessen Grippe noch nicht ganz ausgeheilt war, hatte während der Narkose (?) und dem Nehmen der Gewebeprobe wohl etwas zu stark und zu oft gehustet. Dadurch sei dummerweise Luft in den Brustraum gelangt, wo sie eigentlich nichts zu suchen hat. Diese Luft würde nun der Lunge den Platz wegnehmen, was zum Lungenkollaps führen könne. Deshalb müsse er bleiben, damit man ihm diese Luft wieder rauspumpen könne.
Inzwischen war mir allein schon von der Erzählung schlecht. und gedanklich malte ich mir bereits die schlimmsten Konsequenzen aus. Während er sich also zur Anmeldung begab, raste ich mit dem Auto nach Hause und hatte dort die wenig erfreuliche Aufgabe, seiner Frau all dies zu erklären.
Nach dem Managen der wichtigsten Dinge (den Chef sowie den Nachwuchs informieren, Koffer packen etc.), bin ich dann mit seiner Ehefrau und dem Koffer wieder zurück zum Krankenhaus gedüst. Dort musste dann erst einmal der Patient gefunden werden, was nach einigen Irrläufen auch gelang.
Mein Verwandter lag wie der lebendige Tod in seinem Bett, ein Schlauch ragte aus seiner Schulter, und ein Behälter mit Wasser darin stand neben dem Bett. Nachdem er seiner Frau nun auch noch einmal alles erläutert hatte, kam irgendwann der Arzt und teilte dem Patienten mit, dass der Schlauch in der Schulter nicht tief genug saß. Man würde ihn entfernen und einen neuen legen müssen.
Ich schwöre, dass ich noch nie einen Menschen so schnell so bleich werden sah. Scheinbar musste das mit enormen Schmerzen verbunden sein - die laut Arzt völlig untypisch waren.
Wir warteten.
Inzwischen war ich von der Warterei dermassen entnervt, dass ich mir die Bibel schnappte und die Offenbarung des Johannes aufschlug.
Stunden später... als unser Patient totenbleich und halb bewußtlos wieder mit dem Rollstuhl angerollt wurde, war es gegen 18 Uhr. Der Arzt pumpte ihn dann auch gleich noch mit jeder Menge Morphium und anderen Schmerzmitteln voll.
Selbst dem Mediziner sah man an, dass er leicht erschrocken war. Laut seinen Angaben gebe es da "nie Schwierigkeiten", geschweige denn, dass jemand über derartige Schmerzen geklagt hätte.
Man kann sicherlich verstehen, dass ich unseren tapferen Patienten unter diesen Umständen nur ungern alleine ließ, aber irgendwann mussten wir auch endlich mal wieder nach Hause.
Damit war mein Urlaub, den ich geplant hatte, dahin, denn was nun auf dem Programm stand war tägliches zum Krankenhaus fahren und den Patienten besuchen. Glücklicherweise ging es ihm am nächsten Tag schon sehr viel besser. Gut genug zumindest, um spazieren zu gehen und per Handy Aufträge zu erteilen, was denn alles mitzubringen sei.
Er erholte sich prächtig und überraschte uns mit der Mitteilung, dass er Donnerstag wieder nach Hause dürfe. Der Donnerstag kam - aber kein Lebenszeichen des Patienten. Irgendwann gegen Nachmittag kam dann der erlösende Anruf, das er gepackt hätte und abholbereit war.
Erneut fuhr ich mit dem Auto los. Parkplatz gefunden - ins Zimmer gelatscht - und da stand er. Fix und fertig, Tasche gepackt und ich dachte, super das klappt ja perfekt. Ich schnappte mir die Tasche, als die Worte an mein Ohr drangen: "Ja ich muss aber noch warten, ich muss nochmal zum Röntgen."
Ich schluckte, die Erinnerung an das letzte Mal als er sowas sagte war noch zu frisch, und stellte mich innerlich auf eine längere Wartezeit ein. Zunächst beschloß ich mutig zu sein und die Tasche ins Auto zu tun, dann konnte ich mir auch gleich das Parkticket kaufen, es würde ja wohl wieder mal länger dauern...
Als ich zurück kam, hatte ich auch gleich Onkel Doktor im Schlepptau, der verkündete dass jetzt Zeit wäre zum Röntgen. "Dauert nicht lange, 15 Minuten" hieß es. Ich nickte. Immerhin saß ich diesmal an einem Tisch auf dem eine aktuelle Zeitung lag. Nachdem ich, für mich völlig untypisch, sogar den Politteil durch hatte und der Patient noch immer nicht zurück war, wurde ich langsam unruhig.
Aber es gab ja noch mehr Zeitschriften.
Irgendwann, ich habe nicht auf die Uhr geschaut, tauchte mein Verwandter endlich auf - und verkündete, er müsse das Bild noch beim Arzt abgeben. Ich hab das nicht ganz mitbekommen sondern war viel zu vertieft in meine Lektüre -ich hatte aus dem Stapel tatsächlich noch ein Clever&Smart Heftchen gezogen.
Um so erstaunter war ich dann, als der Patient plötzlich unruhig neben mir stand und fragte, ob wir jetzt endlich gehen könnten. Kurz war ich versucht das Heft mitzunehmen, ich hasse es etwas unbeendet zu lassen, aber mein Gerechtigkeitssinn siegte dann doch.
Die Heimfahrt verlängerte sich 3 Kilometer vor der heimischen Autobahnausfahrt um einen Stau...
Aus diesem Erlebnis habe ich meine Lehren gezogen:
- Begib dich niemals und unter keinen Umständen freiwillig in die Hand eines Arztes.
- Falls es doch unvermeidbar ist, glaube dem Arzt kein Wort, egal was er findet, und lass dir unter keinen Umständen Angst machen.
- Begib Dich niemals an einem Rosenmontag in ein Krankenhaus.
- Falls ein Krankenhausaufenthalt unumgänglich ist, sei es als Patient oder Besucher, nimm genug Bücher mit!!
Und das Beste zum Schluß: Die Gewebeprobe wurde analysiert und das Ergebnis liegt ebenfalls vor.
Es ist "nur" altes Narbengewebe einer schlecht ausgeheilten Lungenentzündung. Also genau das, was der Hausarzt vermutet hatte...
Das ist natürlich eine gute Nachricht, wenn da nicht der bittere Nachgeschmack wäre, dass mein Verwandter wegen der Untersuchung dieser harmlosen Angelegenheit unnötige Qualen erlitten hat und fast dem Tode nah war.
Posted by Ishtar on Wednesday, April 5. 2006 at 09:04 in Erfahrungsberichte
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Lesebefehl: Was wirklich passiert
Radiotipp: DLF - Sprechstunde: Influenza & Co.
Gefährliche Supererreger
Chipkarte um jeden Preis
Aber sonst gesund
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Thursday, April 6. 2006 at 17:00 (Link) (Reply)
Natürlich verstehe ich den Wunsch zu wissen, was diese Schatten in der Lunge bedeuten. Aber wenn man sich sicher ist, einen kompetenten Hausarzt zu haben, dann sollte man seinen Ratschlägen entgegenkommen.
Wie gesagt: Ich hätte gewartet, bis die Grippe abgeklungen wäre und mich dann um die Punkte auf dem Röntgenbild gekümmert.
Und dem Ratschlag genügend Lesestoff ins Krankenhaus mitzunehmen, kann ich nur zustimmen. Selbst bei geplanten Aufnahmen im Krankenhaus kann es einen halben Tag dauern, bis ein Bett frei wird um den Patienten unterzubringen. Teilweise muss man auch bei geplanten Aufnahmen immer gefasst sein, dass man unter Umständen auch auf dem Flur landet, wenn alle Betten belegt sind.
Dies ist aber meist Ärzten zu verdanken, die die geplanten Aufnahmen nicht berücksichtigen oder gern alles notfallmäßig aufnehmen, was auch nur im entferntesten auf die Station passt. Zum Beispiel Patienten die wegen Herzrhythmusstörungen eingeliefert werden und als Grunderkrankung nebenbei noch einen Morbus Chrone haben, kommen auf die Gastroenterologie, obwohl sie doch eigentlich auf eine Herzstation sollten ^^.