Angesichts der neuen Gesundheitskarte, die uns ins Haus steht, und auf der eine Vielzahl von Daten ihren Platz finden soll - schlimmer noch, auf deren Datenbestand auf einem Server eine Menge von Leuten vermutlich zugreifen wird, die das alles absolut gar nichts angeht - machen sich viele Menschen Gedanken um Datenschutz, und um den "gläsernen Patienten".
Dabei ist die Gesundheitskarte noch gar nichts - in den USA erprobt man den maschinenlesbaren Menschen. Testpersonen werden reiskorngrosse RFIDs unter die Haut implantiert, die die entsprechenden Daten zur Benutzernummer in einer damit verbundenen Datenbank zum Auslesen bereithalten.
So verlockend die Möglichkeit für die Notfallmedizin auch sein mag, die wichtigsten Infos zu einem Patienten sofort greifbar auf einem Chip unter dessen Haut zu haben, so sehr gruselt es mich bei der Vorstellung, dass in Zukunft jeder findige Ladenbetreiber mit einem RFID-Scanner im Ernstfall auf körpereigene Chips zugreifen, mich eindeutig identifizieren, schlimmstenfalls meine medizinischen Daten irgendwo auslesen kann. (Und es soll keiner behaupten, das ginge nicht weil sicher...)
Und noch viel mehr Gedanken mache ich mir über die Anwendungsmöglichkeiten, die ein Staat sehen wird, der schon jetzt Terrorismuspanik und innere Sicherheit zur immer stärkeren Überwachung und Kontrolle seiner Staatsbürger als Rechtfertigungshilfe heranzieht.
Dass jeder Mensch mit so einem medizinischen RFID natürlich eine eigene Identifikationsnummer, eine Unique ID bekommt, mit der er automatisch überall zu überwachen ist - Orwell hätte sich so etwas kaum erträumen können.
Die Nazis haben den KZ-Insassen noch Nummern auftätowiert - wir bekommen sie vermutlich irgendwann gespritzt. Aber dann brauchen wir wenigstens auch keine Pässe und Grenzkontrollen mehr: Jeder wird immer wissen wo wir gerade stecken und mit wem.
Fortschritt, wir kommen. Mir wird gerade übel..
Sunday, May 8. 2005 at 09:12 (Link) (Reply)