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Urlaubsreif
Es ist nun schon einige Monate her, seit dem ich das letzte Mal über meine Ausbildung berichtet habe. Dies lag erstens an meinem Urlaub, der einen Monat dauerte und dann noch, weil viel zu tun war während meiner letzten beiden Theorieblöcke. Ich werde mal versuchen, die Ereignisse so halbwegs in zeitlicher Abfolge zu beschreiben.
Wie ihr in meinem letzten Bericht vielleicht noch rauslesen konntet, war ich definitiv urlaubsreif. Aber leider stand erst einmal wieder Schule an. Diesmal war es sehr chaotisch. Viele Lehrer fielen krankheitsbedingt aus, viele Stundenverschiebungen und kaum Chance, sich auf den Unterricht einzustellen. Da merkt sich der Lehrermangel bemerkbar. Obwohl ich noch nicht einmal glaube, dass es ein Mangel ist, sondern eher Einsparnisse.
Hauptthemen im Unterricht waren das Stellen und Geben von Medikamenten, Aufbau und Funktion der Verdauungsorgane, Erste Hilfe, Rechtslehre und Pflege sowie Krankheitslehre in Bezug auf Ausscheidungen.
Letzteres war nicht unbedingt mein Thema. Schließlich gehört dies schon nicht zu den beliebtesten Aufgaben auf der Station. Jetzt noch darüber sprechen zu müssen, hilft da nicht viel weiter.
Weitaus mehr interessant war da schon das Thema Infusionen und Blut. Es war zwar schwer die ganzen Kleinigkeiten, was wann wie infundiert wird, in den Kopf zu bekommen, aber unsere Lehrerin hat viel Geduld aufgebracht und jede Stunde mit uns wiederholt, bis wir es endlich intus hatten.
Aber nicht nur Infusionen gehörte zu den Themen, sondern auch Spritzen – sub cutan (unter die Haut), intra venös (in die Vene) oder intra musculär (in den Muskel).
Sicherlich gibt es noch mehr Formen, wie man Medikamente einbringen kann, aber das würde den Rahmen jetzt sprengen und teilweise werden sie auch nicht so häufig angewendet.
Womit ich jedoch Probleme habe, wäre eine i.m. Spritze in den Allerwertesten zu geben. Es gibt natürlich eine nette Anleitung, anhand dessen man die richtige Stelle zum Spritzen ausfindig machen kann. Aber die Orientierungspunkte sind nicht immer so gut tastbar und daher ist dies oftmals auch mehr mit Raten verbunden. Wir haben das Ganze mal an uns gegenseitig ausprobiert (also das Ertasten der Referenzpunkte). Teilweise konnte man es recht gut ertasten, aber oft waren nur ein oder zwei der drei Punkte klar ertastbar.
Daher frage ich mich auch, warum heute Medikamente, die i.m. injeziert werden müssen ausgerechnet in den Schinken müssen? Medikamente können doch auch so hergestellt werden, dass sie nicht ölige sind (damit sie auch aus dem Oberarm absorbierbar sind) oder die 2 ml-Grenze nicht überschreiten (mehr tut im Oberarm einfach weh). Ich finde es ehrlich gesagt schlimmer, versehentlich irgend einen Nerven zu treffen, weil ich die einzelnen Knochenpunkte nicht richtig ertasten kann und daher daneben steche. Und für den Patienten ist es sicherlich auch angenehmer, nur den Arm frei machen zu müssen. Auch in der Hinsicht, weil viele schon von den Komplikationen durch eine Spritze in das Gesäß gehört haben.
Eines der Problematiken bei unserer Ausbildung ist die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis. Wie ich oben geschrieben habe, wurden in dem Block sub cutan-Injektionen durchgenommen. Theoretisch hätten wir vorher also gar nicht s.c. spritzen dürfen, da wir erst das theoretische Grundwissen benötigen, um es richtig anwenden zu können. Jedoch wären wir dann nicht wirklich von Nutzen für die Stationen. Hier sollte also noch einmal das Curiculum überarbeitet werden. Dann sollte lieber der erste Praxiseinsatz um einige Monate nach hinten verlagert werden, um dann umfassende Grundpflege durchführen zu können.
Wo wir schon beim Curiculum sind: Es gibt noch weitaus mehr, was geändert werden muss. Die Praxiseinsätze sollten auch dem Wissensstand entsprechen. Ich weiß, dass dies ein Problem ist, weil man auf wenigen Stationen viel Schüler unterbringen müsste. Aber nur so ist ein grundlegendes Verständnis über Art, Ursache und Behandlung einer Erkrankung weitaus besser möglich.
Zum Beispiel habe ich in dem jetzigen Theorieblock erst die Grundlagen gelernt, die ich auf meiner letzten Station benötigt hätte und mir so nebenbei erarbeiten musste.
Weiteres Problem ist, dass viele Dozenten an Bord geholt werden müssen, um Fachkenntnisse zu vermitteln. Denn erst mit Zusatzlehrgängen unserer Lehrer dürfen sie uns in bestimmten Fachgebieten unterrichten.
Was an Dozenten so schlimm ist, dass ich lieber unsere Lehrer hätte? Nun, es gibt solche und solche. Einige Ärzte, die wir als Dozenten hatten, waren sehr gut. Ein Orthopäde hatte uns immer nach seiner Nachtschicht unterrichtet, und uns das Wissen auf einfachste Art vermittelt. Es hat Spass gemacht ihm zuzuhören und mitzuschreiben. Er hat sehr anschaulich unterrichtet und auch Funktionstests an uns gezeigt.
Aber einige sind auch sehr schlecht. Man kann bei Wissenschaftlern halt keine Fähigkeiten im Lehrwesen voraussetzen. Sie erklären Krankheiten in Fachchinesisch und vermitteln uns viel, was wir als Gesundheits- und KrankenpflegerInnen nicht benötigen. Bei vielen ist die Motivation kaum da, aufzupassen oder gar mitzuschreiben.
Das Problem jedoch ist, dass unsere Lehrer sowieso schon so viel zu tun haben (sie kommen kaum mit der Korrektur unserer Klausuren nach) und sich nun zu unserem Wohl auch noch weiterbilden *müssen*.
Warten wir es ab, was die Zukunft bringt. Vielleicht kommt alles anders. Wenn ich daran denke, wie oft seit unserem Ausbildungsbeginn schon die Regelungen zu den Fehlzeiten geändert wurden, kann dies sicherlich noch heiter werden.
Naja, jedenfalls hatten wir dann endlich Urlaub und konnten ca. einen Monat mit Nichtstun oder Verwandtschaftsbesuchen verbringen. Leider war der Urlaub schneller vorbei als gedacht und ausreichend schon gar nicht. Zu schnell began der nächste Theorieblock. Das bedeutete, dass wir ca. 3 Monate nicht mehr auf Station sein würden. Das ist ein ordentlicher Rückschritt, wo wir viele Grundlagen vergessen werden. Eine bessere Aufteilung von Praxis und Theorie wäre sinniger gewesen. Aber warten wir es ab.
Was in meinem jetzigen Theorieblock interessantes geschah, werde ich euch morgen schreiben. Es wäre eindeutig zu lang alles auf einmal zu schicken.
Bleibt mir bis dahin gesund!
Posted by shanice on Sunday, February 12. 2006 at 19:16 in Schwester, Skalpell bitte!
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