Jährlich sterben etwa 1 Million Menschen an Malaria. Die WHO hat schon vor einiger Zeit - im Verein mit Pharmakonzernen - einen Roll-Back gegen die Ausbreitung der Malaria verkündet. Das wichtigste Mittel zur Bekämpfung der Malaria sind derzeit Medikamente auf der Basis von Artemisinin.
Nun gibt die WHO sich in einem offiziellen Memorandum besorgt, daß die übermäßige Verwendung von Artemisinin-Produkten als Monopräparat eventuell Resitenzen in den besonders betroffenen Ländern Südostasiens erzeugen und somit das momentan wichtigste und wertvollste Malaria-Medikament wertlos machen könnten.
If we lose artemisinin, we will no longer have an effective cure for malaria. WHO estimates that it will take at least ten years before another effective medicine may become available. -- Dr. Arata Kochi, Leiter der Malaria-Abteilung bei der WHO, zitiert nach VOA
Die betroffenen Pharmakonzerne, denen nun Mißbrauch vorgeworfen wird oder aggressives Marketing, sind ein wenig angesäuert ob dieser Reaktion - nicht zuletzt, weil man den Pharmakonzernen bislang immer vorhielt, nicht genug Malariamedikamente für den Weltbedarf zu erzeugen - und die WHO selbst in ihren Empfehlungen für Malaria-betroffene Staaten diese ausdrücklich anweist, Artemisinin-Produkte einzusetzen.
Das erste Malaria-Medikament, 1977 eingeführt, war bereits 5 Jahre nach seiner Einführung, bei der es zu fast 1000% wirksam war, nur noch in einem Zehntel aller Fälle von Nutzen. Die mittelfristige Erfolgsquote seines Nachfolgers Chloroquin sah nur unwesentlich besser aus (nachzulesen etwa
hier beim Guardian).
Neue Malaria-Mittel sind langfristig nicht in Sicht. Es ist verständlich, daß die WHO sich ein wirkungsvolles Mittel gegen den Erreger erhalten möchte, und deswegen auf Kombinationspräparate mit Chinin setzt. Ob diese Kombinationspräparate allerdings eine Resistenzenbildung verhindern ist fraglich - und ebenso fraglich ist, ob man den heute lebensbedrohlich Erkrankten ohnehin knappe Medikamente verweigern darf, damit sie in ein paar Jahren noch verfügbar sind.
Besonders beliebt macht sich die WHO bei den Pharmakonzernen jedenfalls nicht mit ihrem Versuch, in die Wirtschaft einzugreifen:
The WHO also hopes to persuade the governments that have influence over drug exports not to sell the raw materials from which the drugs are derived to those companies that continue to market monotherapies. - Quelle: VOA (s.o.)
Das halte ich für umso bedenklicher, als - und das sage ich nicht gern - die Welt darauf angewiesen ist, daß die Pharmakonzerne auch weiterhin an Malariamedikamenten forschen und sie in großen Mengen produzieren.
Interessanterweise sind bislang die Resistenzbildungen so gut wie alle zunächst in Südostasien aufgetreten, während einem
Bericht der Washington Post zufolge Monopräparate mit Artemisinin hauptsächlich in Afrika verkauft werden - rund 80% aller Todesfälle durch Malaria kommen aus Afrika. Bedenklich ist, daß dort Malaria-Medizin oft rezeptfrei und in viel zu niedrigen Dosierungen abgegeben wird.
Wie funktioniert Artemisinin?
Artemisinin verringert die Zahl der parasitären Erreger im Blutkreislauf um einen "Faktor von rund 100 Millionen", so die Washington Post, und kann somit schwerst erkrankte Patienten vor dem totalen Zusammenbruch retten. Es kann als Tablette, Injektion oder Zäpfchen verabreicht werden. Um die Parasiten gänzlich abzutöten muß Artemisinin jedoch allein über einen längeren Zeitraum. oder als Kombinationspräparat für mindestens 3 Tage eingenommen werden. Die meisten
over-the-counter-Produkte in den armen Ländern enthalten aber als nur Medikamente für ein bis zwei Tage, so daß der Patient eine Besserung verspürt, jedoch keine Heilung eintritt.
Angesichts dieser Probleme gäbe es noch sehr viel mehr zu tun, als nur die Anwendung eines Monopräparates anzuprangern.