Die CDU hat vorgeschlagen, die bestehenden Zuzahlungsregelungen für Medikamente zu ändern. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik, denn diese Regelungen gehen im wesentlichen auf einen Vorschlag der Union zurück. Momentan bezahlen Patienten 5 Euro zu jedem Medikament dazu, egal ob das Medikament 5 oder 50 Euro kostet. Durch eine Anpassung der Zuzahlungsregelung sollen die Patienten (ahja?) ermutigt werden, dem günstigeren Medikament den Vorzug zu geben. Über eine Absenkung der Zuzahlung für niedrigpreisige Medikamente wird nachgedacht. Da das Zuzahlungsvolumen jedoch gleich bleiben soll, wird es im Endeffekt wohl auf eine proportionale Zahlung hinauslaufen, mit anderen Worten, wer teure Medikamente braucht, muß tiefer in die Tasche greifen.
So sehr ich dafür bin, günstige Medikamente einzusetzen, so sehr frage ich mich doch, wem diese Regelung letztendlich dient und wen sie erziehen soll.
Es sind nicht die Patienten, die sich teure Medikamente verordnen, und die Patienten haben auch nichts von Rekordgewinnen der Pharmakonzerne. Aber wie immer ist es am einfachsten, dem schwächsten Glied in der Kette in die Tasche zu fassen (und ihm das noch als Gewinn zu verkaufen), dabei moniert z.B. Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, zu Recht:
"Wir bezahlen für die gleiche Arzneimittelversorgung zwischen 16 und 18 Prozent mehr Geld" -- Quelle: tagesschau.de
Bereits jetzt besteht für den Apotheker die Möglichkeit und eigentlich auch Pflicht (zum ggf. eigenen wirtschaftlichen Nachteil, auch hier liegt der Wurm im System) , Patienten billigere Generika anzubieten, aber die Verordnung auf dem Rezept bestimmt immer noch der Arzt (und dessen Pharmavertreter).
Besonders gut gefiel mir im
Tagesschau-Bericht folgender Absatz:
Um die Arzeimittelausgaben möglichst gering zu halten, hatten sich unter anderem der Vorstandsvorsitzende der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), Ingo Kailuweit, und der SPD-Gesundheitsexperte, Karl Lauterbach, für Maßnahmen gegen teure Schein-Innovationen ausgesprochen. Sie schlugen vor, jedes Medikament, das zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet wird, einer Kosten-Nutzen-Bewertung zu unterziehen.
Ich bin dafür! Es ist an der Zeit nicht nur die Medikamente, sondern vor allem auch die Verordnungen einer genauen und vor allem NUTZEN-Analyse zu unterziehen. Aber das ist eine Leistung, die der Staat gar nicht erbringen kann. Denn um aussagekräftig zu sein reicht es eben nicht, zu sagen, Patient X wurde davon nicht gesund, oder mit Medikament Y wäre das genauso gut gegangen. Hier helfen nur ehrliche, unvoreingenommene wissenschaftliche Studien, die nicht die IInteressen der Pharmakonzerne decken, und so etwas kostet Geld. Viel Geld.
Problematisch ist ausserdem, dass bei solchen Kosten-Nutzen-Analysen unweigerlich Patienten, die nicht ins statistische Schema passen, aus dem Raster fallen und die Zeche für eine Positivliste zahlen dürfen - ein schönes Beispiel dafür sind die
auf Schweineinsulin angewiesenen Diabetiker - im doppelten Sinn. Denn sie müssen nun ohne etwas auskommen, für das es keinen Ersatz gibt. Aus rein bürokratischen Gründen wird ihnen ein Medikament verwehrt, das sie benötigen, weil ja die Mehrheit der Diabetiker prima mit dem (teureren) gentechnisch produzierten Insulin leben kann. Wer davon wohl profitiert? Statistisch sind diese Diabetiker insignifikant...
Der Weg zu einer Kosten-Nutzen-Analyse von Medikamenten, die sowohl wissenschaftlich als auch sozial als auch wirtschaftlich tragbar ist, ist hart und steinig.
Anfangen könnte man aber bei
Verordnungen die ohnehin schon heute nachweislich mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen, etwa die überbordende Menge von verschriebenen Antibiotika, Antiarrhythmika und Cholesterinsenkern, die Unsummen verschlingen, aber nur in wenigen ausgewählten Fällen tatsächlich sinnvoll sind. Doch momentan bedeutet ein Arztbesuch für die meisten Leute, dass sie mit einem Rezept zur Tür hinausgehen. Und auch das ist systembedingt.