Aus der
Pressemeldung des BMG:
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt: „Die gesetzliche Krankenversicherung stünde finanziell erheblich besser da, wenn die Ausgabenzuwächse im Arzneimittelbereich im Rahmen der von der Selbstverwaltung vereinbarten Steigerungsrate geblieben wären. Das Versagen der Selbstverwaltung bei der Steuerung der Arzneimittelausgaben erfordert deshalb weiteres Handeln des Gesetzgebers. Der jetzt vorliegende Gesetzentwurf zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit im Arzneimittelbereich wird die Krankenkassen bereits im nächsten Jahr um etwa 1 Mrd. Euro finanziell entlasten.“
Schöner Satz, nicht wahr? Immerhin gibt sie zu, daß die Arzneimittelausgaben zu hoch sind. Und was tut man dagegen? Das hier (identische Quelle):
• Verbot der so genannten Naturalrabatte an Apotheken zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung. Bei patentfreien, wirkstoffgleichen Arzneimitteln, die zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet werden, erfolgt ein 10-%iger Abschlag auf die Herstellerabgabepreise zugunsten der Krankenkassen. Für alle Arzneimittel gilt für zwei Jahre ein Preisstopp.
• Neujustierung der Festbetragsregelung für Arzneimittel (klare Abgrenzung von echten Innovationen, Erschließung von Wirtschaftlichkeitsreserven in den Festbetragsgruppen).
• Stärkung der ärztlichen Verantwortung für die Verordnung von Arzneimitteln.
Anders ausgedrückt, die Preise für wirksame und günstige Generika werden gedrückt und sogenannte echte Innovationen (also mit kräftigen Gewinnspannen patentierte Neuentwicklungen) dürfen weiterhin Unsummen kosten. Was allerdings unter "Stärkung der ärztlichen Verantwortung" zu verstehen ist, überlege ich noch.
Müssen Ärzte künftig Abschläge pro verordnetem Medikament bezahlen statt Rezeptgebühr zu erhalten? Oder ihre Nebeneinkünfte durch Pharmavertreter
schonungslos offenlegen? Oder werden gar Hausbesuche vom Pharmavertreter verboten? Oder mehr Medikamente rezeptpflichtig? Gemeint sein kann eigentlich nur wieder eine Art Budgetierung auf dem Umweg über Quoten - die ebenso unsinnig ist wie die breitgestreute Verordnung von Antibiotika gegen Erkältungskrankheiten...
Saturday, February 11. 2006 at 12:56 (Reply)
*Stärkung der ärztlichen Verantwortung*:
Soweit ich den aktuellen Gesetzestext verstanden habe bedeutet dies: Dein Arzt soll Deine Tagestherapiekosten errechnen. Sind diese über einem festgelegten Betrag, zahlt er den Rest selber drauf, ist er unter dem Betrag bekommt er einen Bonus. Das Vertrauen zwischen Patient und Arzt bleibt dabei dann wohl auf der Strecke. Auch wird wohl ein Grossteil der Zeit, die wohl eigentlich dem Patienten zu Gute kommen sollte, für einen derartigen bürokratischen Schwachsinn aufgebraucht werden.
geschrieben von einem leidgeprüften Arzt, der die zunehmende Bürokratie langsam satt hat