Im Niger sind nach
UNICEF-Informationen 3,6 Millionen Menschen von der aktuellen Hungerkrise betroffen, darunter 800.000 Kinder unter fünf Jahren. Dürre und eine Heuschreckenplage haben im vergangenen Jahr fast die gesamte Ernte vernichtet. Rund 200.000 Kinder sind so stark mangelernährt, dass sie dringend medizinischer Hilfe bedürfen
Mittlerweile ist die
Cholera ausgebrochen, die ersten 49 Fälle und ersten Toten wurden heute gemeldet. Die extrem geschwächten Menschen haben der Erkrankung nichts mehr entgegenzusetzen, mit weiteren Seuchenausbrüchen wie z.B. Tuberkulose ist zu rechnen.
Fatal ist an dieser humanitären Katastrophe insbesondere, dass sie von der Welt nicht bloss ignoriert wurde, sondern eine direkte Folge der Politik der entwickelten Nationen darstellt.
Schon vor 8 Monaten hat die UNO auf die Hungerkrise im Niger hingewiesen, wo nach Mißernten und Dürren 1/3 der Gesamtbevölkerung Not leidet. Aber selbst ein G8-Gipfel der sich um die Not Afrikas kümmern wollte, hatte Wichtigeres zu tun.
Vom Tageslohn kann sich derzeit ein einfacher
Landarbeiter im Niger etwa 1 Tasse Hirse (für seine siebenköpfige Familie) leisten.
Die Lage erinnert an die Hungerkatastrophe in Äthiopien, die Mitte der 80er Jahre erst die Wahrnehmung der Öffentlichkeit erreichte, als die Bilder verhungerter Kinder im Fernsehen liefen... vergangenes Wochenende erst hatte die BBC eine Doku über das Band-Aid-Projekt und Helfer der ersten Stunde in Äthiopien in 1984 im Programm. Aber Afrika ist weit weg...
bis zu 5 Millionen Menschen im Niger könnten vom Hunger und den folgenden Seuchen betroffen sein.
Das Problem ist jedoch nicht etwa, dass nicht genug Nahrung vorhanden wäre, und deswegen greift die (viel zu spät kommende) Nahrungsmittelhilfe auch nur als Symptombehandlung. Nahrung ist vorhanden, aber die Bevölkerung kann sie nicht bezahlen.
The starvation in Niger is not the inevitable consequence of poverty, or simply the fault of locusts or drought. It is also the result of a belief that the free market can solve the problems of one of the world's poorest countries. <...>
The last harvest was only 11% below the five-yearly average. Prices have been rising also because traders in Niger have been exporting grain to wealthier neighbouring countries, including Nigeria and Ghana.
Niger, the second-poorest country in the world, relies heavily on donors such as the EU and France, which favour free-market solutions to African poverty. So the Niger government declined to hand out free food to the starving. Instead, it offered millet at subsidised prices. But the poorest could still not afford to buy. -- (The Guardian)
Auch die UNO hat es abgelehnt, Lebensmittel an die Bedürftigen kostenlos abzugeben.
The UN, whose World Food Programme distributes emergency supplies in other hunger-stricken parts of Africa, also declined to distribute free food. The reason given was that interfering with the free market could disrupt Niger's development out of poverty.
Als Folge dieser Politik benötigt nun fast 1 Million Menschen im Niger, Tendenz steigend, sofortige medizinische und Nahrungsmittelhilfe, sollen sie die nächsten Wochen mitsamt saisonalem Anstieg von Malaria und Durchfällen und ausbrechender Cholera überleben.
Monday, August 1. 2005 at 22:30 (Link) (Reply)
Es ist echt schade, was da mit den Menschen passiert und keiner fühlt sich zuständig. Da hilft wohl nur ein globaler Kahlschlag.