Bereits seit einigen Tagen berichtet die englischsprachige Presse darüber, dass Mars, der Hersteller des gleichnamigen Schokoriegels und anderer Süßigkeiten, eine neue Gruppe von Wirkstoffen in der Kakaobohne entdeckt hat, die als Grundlage für neuartige Medikamente gegen Diabetes oder koronare Erkrankungen dienen könnten. Auch die
deutsche Financial Times hat diese Meldung mittlerweile im Angebot, konzentriert sich in ihrem Text aber - natürgemäß - mehr auf marktanalytische Fragen, die sich für Süßwarenhersteller und Lebensmittelkonzerne ganz allgemein aus einem wachsenden Bewußtsein für den Zusammenhang zwíschen Gesundheit und Ernährung ergeben. "Functional foods" könnten der Renner des nächsten Jahrzehnts werden. So gibt es in Amerika auch schon mit Phytoöstrogenen versehenen Fruchtsaft, der den Cholesterinspiegel senken soll. (Manche Kritiker bezeichnen solche Produkte auch als
frankenfoods...)
USA Today titelte: Take 2 M&Ms And Call Me In The Morning.
Die in der Kakaobohne entdeckten möglichen Wundersubstanzen, von den Forschern bei Mars
Flavonole genannt, kommen allerdings in handelsüblichen Schokoladenprodukten gar nicht vor - sie werden in der herkömmlichen Kakaoproduktion zerstört. Mars hat in USA jetzt einen Riegel mit dem Namen CocoaVia auf den Markt gebracht, der die "gesunden" Anteile des Kakaos in leckeres Naschwerk verpackt.
Bezeichnend ist vor allem, dass Mars bereits Verfahren entwickelt hat, Flavonole auch ohne Kakao synthetisch herzustellen und sich bereits entsprechende Patente gesichert hat. Interessant, dass ein Unternehmen sich Rechte an einer natürlichen Substanz sichern kann...
Beteiligt an der Forschung war auch die Harvard Medical School.
"The mounting scientific evidence is extraordinary," says Dr. Norm Hollenberg, professor of medicine at Harvard Medical School, which has collaborated with Mars on cocoa research.
"This is a scientific breakthrough that could well lead to a medical breakthrough."
Einem Artikel der amerikanischen Financial Times (
hier bei CNN zitiert) zufolge ist schon länger bekannt, dass Lebensmittel wie grüner Tee, Tomaten und Rotwein gesundheitsfördernde Substanzen wie Flavonole enthalten, dennoch war man bei Mars und in Harvard angenehm überrascht von den Ergebnissen.
Mars begann ursprünglich seine Forschung in den 60er Jahren, um Methoden zu entwickeln, Kakaopflanzen schädlings- und krankheitsresistenter zu machen. In den letzten Jahren wurde es immer wichtiger, sich auch gesundheitsbewußter zu zeigen und den Konsumenten ein sauberes Image zu liefern. Nun ist Mars in Gesprächen mit der Pharmaindustrie und hat Chancen, sich vom Lebensmittelproduzenten zu einer Pharmatech-Firma weiter zu entwickeln.
Letzten Endes wäre es wohl auch sinnvoller, Flavonole als Medikamentenbasis einzusetzen, statt einen diabetesbekämpfenden Schokozuckerriegel mit extra viel Flavonolen auf den Markt zu bringen.
Weitere Folgen sind absehbar. Wann beginnt Mars damit, besonders flavonolreiche Kakaopflanzen gentechnisch zu entwickeln und zu patentieren?
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Kakao enthält viele gesundheitsfördernde Stoffe, darunter Flavonoide und Flavonole. Neuesten Forschungen aus Großbritannien zufolge liefert die tropische Frucht ausserdem Stoffe, die als Gerinnungshemmer fungieren und so die Bildung von Blutgerinnseln im
Tracked: Aug 11, 08:14