Manchmal fragt man sich schon, wie blöd Menschen sein können. Da kam heute durch den
WELT-Newsticker z.B. folgende Meldung:
Schüler durch Drogentee vergiftet - Ministerium warnt
Regensburg (dpa/lby) - Nach der Vergiftung von vier Regensburger Schülern hat das bayerische Gesundheitsministerium vor Drogentees gewarnt. Die 13 bis 15 Jahre alten Jugendlichen hatten aus den Blüten einer wilden Engelstrompete einen Tee gekocht und getrunken. Sie mussten auf Intensivstationen behandelt werden. Das Experiment hätte tödlich enden können, sagte Gesundheitsstaatssekretärin Emilia Müller (CSU) am Donnerstag. Die Menge des Gifts der Engelstrompete sei bei solchen Versuchen nicht kontrollierbar.
Während ich mich noch am Kopf kratzte und darüber nachdachte, seit wann Engelstrompeten (nicht frosthart) in Bayern heimisch sind bzw. wild vorkommen - ein weiterer angepasster Kulturflüchtling - ging mir durch den Sinn, dass ich
seit frühester Kindheit weiss dass Engelstrompeten hochgiftig sind. Angeblich ist doch die heutige Jugend so internet-affin - können sie nicht wenigstens erst mal das WWW bemühen ehe sie sich mit den vielleicht giftigsten Vertretern der Nachtschattengewächse einen Horrortrip verschaffen?
Dass Menschen toxische Substanzen zur Erzeugung anderer Bewußtseinszustände nutzen wissen wir nicht erst seit LSD... aber ausgerechnet die extrem giftige Datura bzw. Brugmansia?
Die
Wikipedia hilft natürlich weiter:
In den letzten Jahren wurden vor allem von Jugendlichen immer wieder Aufgüsse von Blättern oder Blüten von Engelstrompeten zur Einnahme als Rauschmittel (Halluzinogen) hergestellt. Da die dabei aufgenommene Dosis aber kaum zu bestimmen ist, kam und kommt es immer wieder zu schwersten Vergiftungen bis hin zum Tod. Selbst wenn man den Rausch ohne bleibende Schäden übersteht, ist er nach vielen Berichten im Vergleich zu anderen Drogen äußerst unangenehm. Horrortrips und Selbstverletzungen sind fast der Normalfall, so wurde beispielsweise 2003 ein Fall bekannt, in dem sich ein Jugendlicher im Rauschzustand die Zunge abgeschnitten und sich selber kastriert hat. Daher ist vom Konsum dringendst abzuraten. Bei Vergiftungen ist unverzüglich ein Notarzt zu verständigen.
Na vielen Dank auch...
Ganz ähnliches ist im
DrogenWiki zu lesen:
Der Engelstrompeten-Rausch ist eine naturnahe Erfahrung und rechtlich weniger bedenklich, da die Wirkstoffe "nur" dem Arzneitmittel-Gesetz unterstehen. Der Rausch lässt sich als halluzinogen-sedativ bezeichnen, ist von Halluzinationen, Unruhe und Traumerlebnissen geprägt.
Gleichzeitig ist er aber auch lebensgefährlich; in diesem Fall impliziert das sogar weniger die starke Giftwirkung der Pflanze (sofern in Maßen konsumiert), sondern die extreme Sekundärgefährung durch die Vorstellung, fliegen zu können (und das bedenkenlos in die Tat umsetzen zu wollen), sowie die starke psychische Belastung. Weiterhin reagieren viele Menschen unterschiedlich auf die Droge, da ihr Angriffspunkt tief im Parasympathikus verwurzelt ist. Ein überdosierter Konsum der Engelstrompete (ab etwa 0,3g) führt früher oder später zu Herzrhythmusstörungen und dem anticholinergen Syndrom, damit zu multiplen physiologischen Komplikationen, auch zum Tod.
Was zum Teufel ist an einem Horrotrip so verlockend? Da wünscht man sich ja weissgott die Kids würden lieber illegales Marihuana zu Tee verarbeiten statt sich an der quasi legal zu habenden Datura zu vergreifen... und jeder darf dieses hochgiftige Ding bei sich auf dem Balkon stehen haben, auf dass auch nichtsahnende Kleinkinder eine Chance haben, sich mit Atropin, Scopolamin sowie Hyoscyamin zu vergiften.
Die Jungs aus Bayern haben es wohl nochmal geschafft, wenn wir auch wohl über bleibende neurologische oder metabolische Schäden nichts erfahren werden - ansonsten wären sie exzellente Kandiaten für die
Darwin-Awards geworden. Herzlichen Glückwunsch...
Friday, July 22. 2005 at 02:06 (Link) (Reply)
Friday, July 22. 2005 at 08:08 (Reply)
Mein Kommentar dazu, dass jeder eine schöne giftige Datura auf der Terrasse halten darf, bezieht sich eher auf die Verhältnismäßigkeit des Verbotes anderer berauschender Pflanzen zum sogenannten Schutz der öffentlichen Gesundheit...