Schwer krank oder nicht schwer krank...das ist hier die Frage!
Hallo liebe Interessierte.
Es ist schon wieder lange her, dass ich Bericht über meine Ausbildung erstattet habe. Aber nach mehrfachem Drängen hab ich mich an meinem freien Tag dazu breitschlagen lassen.
Diesmal werde ich etwas mehr auf die Patienten und den Arbeitsalltag eingehen. Sicherlich haben einige von euch schon einmal ein Krankenhaus (notgedrungen oder freiwillig) von Innen gesehen. Vielleicht erkennt ihr einige Sachen ansatzweise wieder.
Es ist schon wieder lange her, dass ich Bericht über meine Ausbildung erstattet habe. Aber nach mehrfachem Drängen hab ich mich an meinem freien Tag dazu breitschlagen lassen.
Diesmal werde ich etwas mehr auf die Patienten und den Arbeitsalltag eingehen. Sicherlich haben einige von euch schon einmal ein Krankenhaus (notgedrungen oder freiwillig) von Innen gesehen. Vielleicht erkennt ihr einige Sachen ansatzweise wieder.
Wozu im Krankenhausalltag gern Azubis oder Praktikanten genommen werden, ist der Geländegang. Dieser findet am Lübecker Uniklinikum immer zu oder nach 16 Uhr statt. Dabei bringt man die Röntgenbilder der Klinik in den Röntgenbereich, wo ein Archiv-Fach ist und holt gleich aktuelle Röntgenbilder von Patienten aus dem Fach der Station. Danach geht es auf zur klinischen Chemie, wo Blutproben auf diverse Faktoren hin untersucht werden. Meist handelt es sich dabei um Zusammensetzungen vom Blut, nachweisbare Antikörper, bakterielle Befälle oder Sensibilitäten auf Medikamenten oder Nachweisstoffe. Diese Befunde sind immer sehr zahlreich und nehmen daher auch ordentlich Platz in der Tasche weg.
Danach geht es zum EKG, wo Befunde vom Herzen abgeholt werden. Dort ist von der Neurochirurgie nur selten etwas zu finden, da EKGs auch gern bei uns vor Ort auf der Station gemacht werden.
An Freitagen kommt noch ein Extragang zur Blutbank dazu, wo die Blutgruppen von Patienten bestimmt werden, um bei Operationen Blutkonserven geben zu können. Tja, also wie ihr seht nichts Schlimmes...jedenfalls nicht, wenn man weiß wo man hin muss.
Glaubt mir, das Zentralklinikum (wo sich Röntgen, EKG und klinische Chemie befinden) ist groß...sehr groß...und vor allem verwirrend. Dafür braucht man schon 3 Geländegänge hintereinander, um wirklich die richtigen Türen zu finden.
Apropos EKG: Einer unserer Ärzte wollte neulich ein EKG schreiben. Eigentlich können das auch die Schwestern im Normalfall. Aber auf dieser Station hatte man sich wohl irgendwann mal darauf geeinigt, dass das die Ärzte tun. Und seit einiger Zeit halten die Ärzte wohl nicht mehr viel davon, oder haben dafür keine Zeit mehr. Also holte ich das mobile EKG-Gerät von der Intensivstation der Neurochirurgie zwei Etagen unter uns und suchte den Arzt, der nach diesem verlangt hatte. Erst dachte er, dass ich schon examiniert sei und das auch alleine könne, bis ich unschuldig die Hände hob und meinte, dass ich nur Schülerin sei. Er sah dies natürlich gleich als Chance sich zukünftig Arbeit zu ersparen und erklärte mir, wie das EKG-Gerät und das Anschließen an den Körper funktionierte. Und ehrlich: es ist ganz einfach. Man muss nur die Farbreihenfolge für die Ableitungen an den Extremitäten im Kopf haben und an welchen Stellen der Brust die Elektroden angebracht werden. Wobei Letzteres das Schwerere ist. Und die Patienten sind auch immer wieder erstaunt, wie schnell so ein EKG gemacht ist. Das Anstecken der Elektroden braucht meist mehr Zeit als das Aufzeichnen der Herztöne.
Und wo wir grad bei den Patienten sind, bleiben wir auch gleich da. Ich muss ja sagen, dass ich immer wieder erstaunt bin, welches Gefälle sich bei gewissen Krankheiten auftun. Operierte Tumor-Patienten sind meist schneller auf den Beinen als Patienten mit Bandscheibenvorfall. Ich merke oft, dass Bandscheibenpatienten nach der OP und an den beiden Tagen danach denken, sie müssten sterben vor Schmerzen und wollen sich nicht ein Stück bewegen. Dagegen sind Patienten mit Tumoren meist ziemlich schnell nach der OP wieder auf dem Damm und arbeiten hart daran wieder mobil zu werden. Da tut sich eine Lücke auf, die ich nicht verstehen kann. Vor allem, wenn Bandscheibenpatienten in einem Raum mit Tumorpatienten liegen und denen etwas vorheulen.
Sicherlich sind OPs an der Wirbelsäule schmerzhaft und mit Immobilität direkt nach der OP verbunden. Aber wenn ich weiß, dass es auf der Station und vor allem auf dem selben Zimmer Patienten gibt, die um ihr Leben kämpfen müssen, würde ich mich wenigstens zusammenreißen. Ich glaube jeder Tumorpatient würde gern mit den Bandscheibenpatienten tauschen. Also falls ihr mal im Krankenhaus seid und habt etwas, was einfach zu beheben ist, und ihr danach euer Leben wie vorher weiterleben könnt, dann denkt an die, die es schlimmer erwischt haben und trotzdem versuchen auf der Station Frohsinn zu verbreiten.
Aber auch unter den Patienten mit dem selben Krankheitsbild erkennt man gern große Unterschiede. Einige (egal welches Alter oder Geschlecht) sind nach der OP topfit und laufen am nächsten Tag schon kräftig rum, während andere geradezu ihre Schmerzen pflegen und kein Verständnis für die Krankenpfleger aufbringen. Einige können wirklich an allen Ecken und Enden nörgeln, während andere wieder Widrigkeiten ohne großes Murren hinnehmen. Und Letztere sind auch immer gern zu einem Späßchen aufgelegt.
Meine Philosophie ist es eigentlich die Menschen auch mit Humor auf die Beine zu bekommen. Da wird einmal die OP-Kleidung als schickes Designer-Outfit betitelt oder die Thrombosestrümpfe als Strapse. Natürlich erlaube ich mir diese Späße nur bei denjenigen, bei denen ich auch weiß, dass sie das nicht krumm nehmen und auch gern mal kontern.
Solche Patienten sind mir persönlich natürlich lieber, da auch ich dann meinen Spass auf Arbeit habe und die Arbeit viel leichter von der Hand geht.
Ein Vorteil Krankenschwester zu sein, ist natürlich sehr viele Menschen in einem kurzen Zeitraum kennenlernen zu dürfen. Darunter zum Beispiel ein junger Mann, der sich hier super wohl fühlte. Er ist einer derjenigen, denen es schlechter erging, aber mit viel Kraft und Mut die Zeit nach der OP meisterte und uns Krankenschwestern kaum Arbeit machte. Gern half er anderen Patienten, die nicht mobil waren oder brachte Essenstabletts von sich und seinem Bettnachbarn zum Essenswagen. Er wird nach einiger Zeit wieder auf meine jetzige Station zur Kontrolluntersuchung zurück kehren, wo er einige heimische Backwaren mitbringen will. Leider werde ich wohl zu seiner Rückkehr nicht mehr auf der Station sein.
Ein anderer Patient, der mich beeindruckt hatte, war eine junge Frau - gerade mal 2 Jahre jünger als ich und hatte es nicht so gut erwischt. Ich weiß nicht wie genau ihre Vergangenheit aussah und wie ihre Zukunft sein wird. Aber ich hoffe, sie behält ihre Durchhaltekraft und ihren Mut. Sie war auch einmal mit einer Mitpatienten gestraft, die sich gern einmischte und dazwischen redete, wenn man sich mit ihr unterhielt - als ob sich die Welt nur um sie drehte. Aber die junge Frau war froh, jemanden zum Reden zu haben. Ich hab teilweise echt das Gefühl, dass es besonders nette, zuvorkommende und höfliche Menschen immer am Schlimmsten trifft.
Tja, und ein anderer Schlag von Patienten sind die Profilierer oder auch Simulanten. Es gab einen Patienten, der unter unserer Beobachtung das betroffene Bein hinter sich her zog, aber in Momenten, wo derjenige sich unbeobachtet fühlte, halbwegs normal durch die Gänge ging. Natürlich litt derjenige besonders nach der OP und klingelte oft nach Schmerzmittel. Sicherlich war derjenige krank, aber dann sollte man auch bei der Realität bleiben und nicht noch mehr hinzudichten als nötig. Genauso ein anderer Patient, der ständig nach unten zum Rauchen ging und nie zu finden war, wenn Ärzte ihn sprechen wollten oder Untersuchungen anstanden, die demjenigen bekannt waren. Ständig mussten die Träger auf den Patienten warten. Da muss man sich nicht wundern, wenn die Krankenpfleger mal nicht so höflich und verständnisvoll sind.
Ein Lob durfte ich nun auch schon von einem Arzt einfahren. Ein Patient musste mit einer Zweiterkrankung, einer Nekrose (absterbendes Gewebe), auf unserer Station behandelt werden. Mit einer Kollegin habe ich die benötigten Mittel zurecht gelegt, da ich mich damit noch nicht auskenne und dem Arzt assistieren sollte. Durch den komplexen Verband reichten diese natürlich nicht, und wir hatten auch etwas vergessen. Aber ich beeilte mich die entsprechenden Mittel aus unserem Lager zu besorgen und hechtete im schnellen Gang wieder zum Patientenzimmer zurück. Meine Aufgabe bestand in der Öffnung der steril verpackten Verbände und das Auftragen der Creme. Danach meinte der Chirurg, dass ich ihm sehr geholfen hätte. Solch ein Lob höre ich natürlich gern.
So...mehr gibt es derzeit nicht zu erzählen. Ich denke, dass ich noch einmal von der Station berichten werde, bevor ich wieder die Schulbank drücken muss. Ach so...für meine erste Klausur hab ich auch eine eins bekommen. auf die eigene Schulter klopf Zwar wird die Dritte nicht so gut ausfallen, aber so schlimm kann es, glaube ich, nicht werden. Hoff ich zumindest.
Bis dahin wünsch ich euch einen tollen Sommer und bleibt mir gesund.
Danach geht es zum EKG, wo Befunde vom Herzen abgeholt werden. Dort ist von der Neurochirurgie nur selten etwas zu finden, da EKGs auch gern bei uns vor Ort auf der Station gemacht werden.
An Freitagen kommt noch ein Extragang zur Blutbank dazu, wo die Blutgruppen von Patienten bestimmt werden, um bei Operationen Blutkonserven geben zu können. Tja, also wie ihr seht nichts Schlimmes...jedenfalls nicht, wenn man weiß wo man hin muss.
Apropos EKG: Einer unserer Ärzte wollte neulich ein EKG schreiben. Eigentlich können das auch die Schwestern im Normalfall. Aber auf dieser Station hatte man sich wohl irgendwann mal darauf geeinigt, dass das die Ärzte tun. Und seit einiger Zeit halten die Ärzte wohl nicht mehr viel davon, oder haben dafür keine Zeit mehr. Also holte ich das mobile EKG-Gerät von der Intensivstation der Neurochirurgie zwei Etagen unter uns und suchte den Arzt, der nach diesem verlangt hatte. Erst dachte er, dass ich schon examiniert sei und das auch alleine könne, bis ich unschuldig die Hände hob und meinte, dass ich nur Schülerin sei. Er sah dies natürlich gleich als Chance sich zukünftig Arbeit zu ersparen und erklärte mir, wie das EKG-Gerät und das Anschließen an den Körper funktionierte. Und ehrlich: es ist ganz einfach. Man muss nur die Farbreihenfolge für die Ableitungen an den Extremitäten im Kopf haben und an welchen Stellen der Brust die Elektroden angebracht werden. Wobei Letzteres das Schwerere ist. Und die Patienten sind auch immer wieder erstaunt, wie schnell so ein EKG gemacht ist. Das Anstecken der Elektroden braucht meist mehr Zeit als das Aufzeichnen der Herztöne.
Und wo wir grad bei den Patienten sind, bleiben wir auch gleich da. Ich muss ja sagen, dass ich immer wieder erstaunt bin, welches Gefälle sich bei gewissen Krankheiten auftun. Operierte Tumor-Patienten sind meist schneller auf den Beinen als Patienten mit Bandscheibenvorfall. Ich merke oft, dass Bandscheibenpatienten nach der OP und an den beiden Tagen danach denken, sie müssten sterben vor Schmerzen und wollen sich nicht ein Stück bewegen. Dagegen sind Patienten mit Tumoren meist ziemlich schnell nach der OP wieder auf dem Damm und arbeiten hart daran wieder mobil zu werden. Da tut sich eine Lücke auf, die ich nicht verstehen kann. Vor allem, wenn Bandscheibenpatienten in einem Raum mit Tumorpatienten liegen und denen etwas vorheulen.
Sicherlich sind OPs an der Wirbelsäule schmerzhaft und mit Immobilität direkt nach der OP verbunden. Aber wenn ich weiß, dass es auf der Station und vor allem auf dem selben Zimmer Patienten gibt, die um ihr Leben kämpfen müssen, würde ich mich wenigstens zusammenreißen. Ich glaube jeder Tumorpatient würde gern mit den Bandscheibenpatienten tauschen. Also falls ihr mal im Krankenhaus seid und habt etwas, was einfach zu beheben ist, und ihr danach euer Leben wie vorher weiterleben könnt, dann denkt an die, die es schlimmer erwischt haben und trotzdem versuchen auf der Station Frohsinn zu verbreiten.
Aber auch unter den Patienten mit dem selben Krankheitsbild erkennt man gern große Unterschiede. Einige (egal welches Alter oder Geschlecht) sind nach der OP topfit und laufen am nächsten Tag schon kräftig rum, während andere geradezu ihre Schmerzen pflegen und kein Verständnis für die Krankenpfleger aufbringen. Einige können wirklich an allen Ecken und Enden nörgeln, während andere wieder Widrigkeiten ohne großes Murren hinnehmen. Und Letztere sind auch immer gern zu einem Späßchen aufgelegt.
Meine Philosophie ist es eigentlich die Menschen auch mit Humor auf die Beine zu bekommen. Da wird einmal die OP-Kleidung als schickes Designer-Outfit betitelt oder die Thrombosestrümpfe als Strapse. Natürlich erlaube ich mir diese Späße nur bei denjenigen, bei denen ich auch weiß, dass sie das nicht krumm nehmen und auch gern mal kontern.
Ein Vorteil Krankenschwester zu sein, ist natürlich sehr viele Menschen in einem kurzen Zeitraum kennenlernen zu dürfen. Darunter zum Beispiel ein junger Mann, der sich hier super wohl fühlte. Er ist einer derjenigen, denen es schlechter erging, aber mit viel Kraft und Mut die Zeit nach der OP meisterte und uns Krankenschwestern kaum Arbeit machte. Gern half er anderen Patienten, die nicht mobil waren oder brachte Essenstabletts von sich und seinem Bettnachbarn zum Essenswagen. Er wird nach einiger Zeit wieder auf meine jetzige Station zur Kontrolluntersuchung zurück kehren, wo er einige heimische Backwaren mitbringen will. Leider werde ich wohl zu seiner Rückkehr nicht mehr auf der Station sein.
Ein anderer Patient, der mich beeindruckt hatte, war eine junge Frau - gerade mal 2 Jahre jünger als ich und hatte es nicht so gut erwischt. Ich weiß nicht wie genau ihre Vergangenheit aussah und wie ihre Zukunft sein wird. Aber ich hoffe, sie behält ihre Durchhaltekraft und ihren Mut. Sie war auch einmal mit einer Mitpatienten gestraft, die sich gern einmischte und dazwischen redete, wenn man sich mit ihr unterhielt - als ob sich die Welt nur um sie drehte. Aber die junge Frau war froh, jemanden zum Reden zu haben. Ich hab teilweise echt das Gefühl, dass es besonders nette, zuvorkommende und höfliche Menschen immer am Schlimmsten trifft.
Tja, und ein anderer Schlag von Patienten sind die Profilierer oder auch Simulanten. Es gab einen Patienten, der unter unserer Beobachtung das betroffene Bein hinter sich her zog, aber in Momenten, wo derjenige sich unbeobachtet fühlte, halbwegs normal durch die Gänge ging. Natürlich litt derjenige besonders nach der OP und klingelte oft nach Schmerzmittel. Sicherlich war derjenige krank, aber dann sollte man auch bei der Realität bleiben und nicht noch mehr hinzudichten als nötig. Genauso ein anderer Patient, der ständig nach unten zum Rauchen ging und nie zu finden war, wenn Ärzte ihn sprechen wollten oder Untersuchungen anstanden, die demjenigen bekannt waren. Ständig mussten die Träger auf den Patienten warten. Da muss man sich nicht wundern, wenn die Krankenpfleger mal nicht so höflich und verständnisvoll sind.
Ein Lob durfte ich nun auch schon von einem Arzt einfahren. Ein Patient musste mit einer Zweiterkrankung, einer Nekrose (absterbendes Gewebe), auf unserer Station behandelt werden. Mit einer Kollegin habe ich die benötigten Mittel zurecht gelegt, da ich mich damit noch nicht auskenne und dem Arzt assistieren sollte. Durch den komplexen Verband reichten diese natürlich nicht, und wir hatten auch etwas vergessen. Aber ich beeilte mich die entsprechenden Mittel aus unserem Lager zu besorgen und hechtete im schnellen Gang wieder zum Patientenzimmer zurück. Meine Aufgabe bestand in der Öffnung der steril verpackten Verbände und das Auftragen der Creme. Danach meinte der Chirurg, dass ich ihm sehr geholfen hätte. Solch ein Lob höre ich natürlich gern.
So...mehr gibt es derzeit nicht zu erzählen. Ich denke, dass ich noch einmal von der Station berichten werde, bevor ich wieder die Schulbank drücken muss. Ach so...für meine erste Klausur hab ich auch eine eins bekommen. auf die eigene Schulter klopf Zwar wird die Dritte nicht so gut ausfallen, aber so schlimm kann es, glaube ich, nicht werden. Hoff ich zumindest.
Bis dahin wünsch ich euch einen tollen Sommer und bleibt mir gesund.
Posted by shanice on Monday, July 18. 2005 at 10:29 in Schwester, Skalpell bitte!
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